| 1 | 01 | Bedecke deinen Himmel, Zeus, |
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| 02 | Mit Wolkendunst! | |
| 03 | Und übe, Knaben gleich, | |
| 04 | Der Disteln köpft, | |
| 05 | An Eichen dich und Bergeshöh'n! | |
| 06 | Mußt mir meine Erde | |
| 07 | Doch lassen steh'n, | |
| 08 | Und meine Hütte, | |
| 09 | Die du nicht gebaut, | |
| 10 | Und meinen Herd, | |
| 11 | Um dessen Glut | |
| 12 | Du mich beneidest. | |
| 2 | 13 | Ich kenne nichts Ärmeres |
| 14 | Unter der Sonn' als euch Götter! | |
| 15 | Ihr nähret kümmerlich | |
| 16 | Von Opfersteuern | |
| 17 | Und Gebetshauch | |
| 18 | Eure Majestät | |
| 19 | Und darbtet, wären | |
| 20 | Nicht Kinder und Bettler | |
| 21 | Hoffnungsvolle Toren. | |
| 3 | 22 | Da ich ein Kind war, |
| 23 | Nicht wußte, wo aus, wo ein, | |
| 24 | Kehrt' ich mein verirrtes Auge | |
| 25 | Zur Sonne, als wenn drüber wär | |
| 26 | Ein Ohr zu hören meine Klage, | |
| 27 | Ein Herz wie meins, | |
| 28 | Sich des Bedrängten zu erbarmen. | |
| 4 | 29 | Wer half mir |
| 30 | Wider der Titanen Übermut? | |
| 31 | Wer rettete vom Tode mich, | |
| 32 | Von Sklaverei? | |
| 33 | Hast du's nicht alles selbst vollendet, | |
| 34 | Heilig glühend Herz? | |
| 35 | Und glühtest, jung und gut, | |
| 36 | Betrogen, Rettungsdank | |
| 37 | Dem Schlafenden dadroben? | |
| 5 | 38 | Ich dich ehren? Wofür? |
| 39 | Hast du die Schmerzen gelindert | |
| 40 | Je des Beladenen? | |
| 41 | Hast du die Tränen gestillet | |
| 42 | Je des Geängsteten? | |
| 43 | Hat nicht mich zum Manne geschmiedet | |
| 44 | Die allmächtige Zeit | |
| 45 | Und das ewige Schicksal, | |
| 46 | Meine Herren und deine? | |
| 6 | 47 | Wähntest du etwa, |
| 48 | Ich sollte das Leben hassen, | |
| 49 | In Wüsten fliehn, | |
| 50 | Weil nicht alle Knabenmorgen- | |
| 51 | Blütenträume reiften? | |
| 7 | 52 | Hier sitz' ich, forme Menschen |
| 53 | Nach meinem Bilde, | |
| 54 | Ein Geschlecht, das mir gleich sei, | |
| 55 | Zu leiden, weinen, | |
| 56 | Genießen und zu freuen sich, | |
| 57 | Und dein nicht zu achten, | |
| 58 | Wie ich! |
Der Sturm und Drang gilt als eine Epoche, bei der das Individuum und seine Gefühle in den Vordergrund gestellt werden. Dadurch widerspricht der Sturm und Drang der Aufklärung, die als zu verstand- und vernunftorientiert empfunden wurden. Diese Epoche, die vorwiegend durch Johann Gottfried von Herder angetrieben wurde, ist aber kein kompletter Gegensatz zu Immanuel Kants Aufklärung, sondern erweitert diese. Die Aufklärer versuchten das Wundersame und Verborgene in der Welt zu eliminieren und rational zu erklären. Dieser kalte Rationalismus war den Stürmern und Drängern verhasst. Sie stellten die Gefühle und Subjektivität an vorderster Stelle (Emotio statt Ratio), nichtsdestotrotz ließ man Platz, damit die Gefühle mit Vernunft und Verstand eine Einheit bilden konnten. Die Absichten beider Epochen-Vertreter waren durchaus ähnlich, da sie die absolutistische Herrschaftsformen und das adelige Leben ablehnten sowie die Gesellschaft, Kunst und Literatur modernisieren wollten.
Die Abwendung von der puren Aufklärung machte sich dadurch deutlich, dass man von den streng durchreglementierten Formen der Literatur absah und stattdessen künstlerische Freiheit gewährte. Zentrale Bedeutung in den Werken bekam meist das "Ich", welches man das Genie nannte und wodurch die Epoche auch als Geniezeit bezeichnet wird. Das Genie wurde zum Mittelpunkt ästhetischer Betrachtung erhoben, es schafft seine eigenen Regeln und Gesetze, strebt nach Freiheit und Selbstverwirklichung, ist kompromisslos und kämpft gegen die Wirklichkeit und Gesellschaft bzw. die Gesellschaftsnormen. Dabei agiert das Genie mit Herz und Gefühl und fühlt sich der schöpferischen Kraft der Natur verbunden. Das Genie, welcher als Held angesehen wurde, scheitert aber in aller Regel mit seinen Freiheitsbestrebungen. Es zerbricht an der Wirklichkeit, an den Normen, Moralvorstellungen und Zwängen der Gesellschaft. Nicht selten führt dieses Scheitern des "Heldes" beim Sturm und Drang zum Tod, denn da er keine Kompromisse schließen kann ist dies der einzige Ausweg an seinen Idealvorstellungen festzuhalten.
Ebenfalls recht wichtig beim Sturm und Drang ist die Natur. Alles Wahre, Gute, Schöne, Elementare und Göttliche wird in der Natur gesehen (Pantheismus). Das einfache Volk wird dabei eine größere Naturverbundenheit und damit eine größere Nähe zur Wahrheit und Echtheit zugesprochen als wohlhabende und adelige Menschen.
Der Sturm und Drang behandelt größtenteils Themen zu Liebe und Natur. Die wichtigste Gattung ist das Drama. Die jungen Dichter waren meist zwischen 20 und 30 Jahren alt und stammten vorwiegend aus dem (Klein-)Bürgertum, d.h. sie kamen nicht aus wohlhabenden Verhältnissen. Zu den wichtigsten Vertretern gehörten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Mit Goethes Italienreise und Schillers Kant-Studien beendeten beide die Epoche des Sturm und Drangs und wendeten sich der (Weimarer) Klassik zu.
Historischer Hintergrund | |||
| Politik und Wirtschaft | Jahr | Links | |
| Absolutismus | 1648-1789 |
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Wolfgang von Goethe wurde als eins von sieben Kindern einer wohlhabenden und gebildeten Familie in Frankfurt geboren. Fünf seiner Geschwister starben. Da der Vater keine beruflichen Pflichten zu erfüllen hatte, unterrichtete er seinen Sohn.
Mit 16 Jahren zog Goethe aufgrund des Jura-Studiums, dass er auf Wunsch seines Vaters aufnahm, nach Leipzig. Nebenbei besuchte er philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen. Zudem beschäftigte er sich mit der Aufklärung und Empfindsamkeit und nahm Unterricht im Zeichnen. Wegen eines Blutsturzes unterbrach Goethe sein Studium 1768 und kurierte seine langwierige Krankheit in seiner Heimatstadt Frankfurt aus.
Nach der Genesung setzte er das Studium der Rechtswissenschaften in Straßburg fort, interessiert sich aber zunehmend auch für Chemie, Medizin, Theologie und Philosophie. Als er seine Promotion ablegt eröffnet Goethe eine Anwaltskanzlei und beginnt ein Praktikum am Reichskammergericht in Wezlar, zugleich wendet er sich der Dichtkunst zu. Am Reichskammergericht lernt er 1772 Charlotte Buff kennen, verliebt sich unglücklich in sie und wird von der verschmähten Liebe zu Die Leiden des jungen Werthers an inspiriert. Des Weiteren entstehen in der Zeit um 1771 und 1776 weitere Werke, die Goethe berühmt machten, z.B. die Hymnen Ganymed und Prometheus, sowie die Urfassungen von Faust und Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. Diese Schaffenszeit von Goethe wird oft dem Sturm und Drang zugeordnet.
1775 verlobt sich mit Lili Schönemann, was aber wenige Monate darauf wieder annuliert wird. Im gleichen Jahr wird Goethe von Herzog Karl August nach Weimar eingeladen, wird Beamter der Stadt Weimar und lernt Charlotte von Stein kennen. Die Herzogin Anna Amalia gelingt es viele bedeutende Schriftsteller nach Weimar zu locken und verschafft der Stadt eine literarischen Blütezeit, darunter auch Goethe. Goethe lernt durch das florierende literarische Leben in Weimar viele bedeutende Schriftsteller kennen. Ungefähr 1777 beendet seine Sturm-und-Drang-Zeit und beginnt eine neue Stilrichtung, die man heute als Weimarer Klassik bezeichnet. Diese Stilrichtung zeichnet sich bei Goethe dadurch aus, dass er von der antiken Philosophie des Humanismus geprägt wird. 1777 stirbt seine Schwester, 1782 der Vater. Aufgrund seiner naturwissenschaftlichen Kenntnisse kann Goethe seit 1784 auch als Entdecker des Zwischenkieferknochens beim Menschen gelten.
1786 begibt sich aufgrund der zunehmenden Belastungen durch seine beruflichen Verpflichtungen auf eine Erholungsreise nach Italien, wo er sich als Maler ausgibt und sich mit Malerei und Bildhauerei beschäftigt. 1786 lässt sich Goethe von seinen Verpflichtungen entbinden und kann sich nun mehr der Kunst und Literatur zuwenden. Er lernt seine Lebensgefährtin Christiane Vulpus kennen, mit der er 1789 einen Sohn bekommt. Es kommt zudem zum ersten Kontakt mit Friedrich Schiller, der zu seinem besten Freund wurde und mit dem er im kollegialen literarischen Wettstreit die Weimarer Klassik entscheidend prägte. 1789 bricht die französische Revolution aus, die von Goethe abgelehnt wird. 1792 wird er Augenzeige des 1. Koalitionskrieges zwischen Preußen und Österreich gegen Frankreich, sowie der Belagerung von Mainz 1793.
Die Zeit von 1794 und dem Tod Schillers 1805 ist eine sehr fruchtbare Schaffenszeit zwischen den beiden Schriftstellern. Es werden zahlreiche Balladen veröffentlicht. Beide arbeiten zusammen an den Zeitschriften Die Horen und Propyläen und sie verfassen theoretische Abhandlungen über Dichtung. Schiller drängt Goethe auch die Arbeit an Faust zu beenden. 1806 veröffentlicht Goethe Faust I.
Nach dem Tod von Schiller richtet sich die Aufmerksamkeit Goethes mehr auf die Romantik und sich mit dem Mittelalter und Folklore zu beschäftigen. Seine Inspiratoren sind nun Achim von Arnim und Clemens Brentano. Die Mutter stirbt 1808. Beim Erfurter Fürstenkongress 1809 begegnet Goethe Napoleon I und 1812 Ludwig van Beethoven. Um diese Zeit arbeitet Goethe an Werken wie Farbenlehre und der Autobiografie Dichtung und Wahrheit 1, 2 und 3.
Ab 1816 zieht sich Goethe aus dem gesellschaftlichen Leben von Weimar zurück. Er wendet sich seinen Werken zu und arbeitet an West-östliche Divan, Wilhelm Meisters Wanderjahren und Faust II, Dichtung und Wahrheit 4. 1827 stirbt Charlotte von Stein und 1830 Goethes Sohn. Schließlich stirbt Goethe 1832 an den Folgen einer Lungenentzündung; er wird neben Schiller in der Weimarer Fürstengruft beigesetzt.
Das Gedicht „Prometheus“, welches 1774 von Johann Wolfgang von Goethe geschrieben wurde, stammt aus der Zeit des Sturm und Drang. Dies ist eine literarische Epoche des 18. Jahrhunderts. Sie begann 1769 und endete 1785. Im Sturm und Drang haben die Gefühle Vorrang vor dem Verstand und der Vernunft, diese werden besonders oft mit Hilfe von Naturerscheinungen ausgedrückt oder verdeutlicht. Diese Epoche betont die aktice, schöpferische, tätige Lebenshaltung und gerät oft mit gesellschaftlichen Missständen und Widersprüchen in Konflikt. Außerdem steht die Selbstverwirklichung im Vordergrund. Einer der wichtigsten Dichter dieser Zeit ist Johann Wolfgang von Goethe. Er wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb 1832 in Weimar.
Das Gedicht „Prometheus“ besteht aus sieben Strophen mit unterschiedlicher Anzahl von Versen. Es gibt nur zwei Reime in diesem Gedicht. („ An Eichen dich und Bergeshöhn! Mußt mir meine Erde doch lassen stehn…“ „ Genießen und zu freuen sich, und dein nicht zu achten, wie ich…“). Außerdem gibt es in der ersten Strophe eine Aufzählung („…und meine Hütte, die du nicht gebaut, und mein Herd, um dessen Glut…“) und in der fünften Strophe liegt ein Parallelismus vor („Hast du die Schmerzen gelindert je des Beladenen? Hast du die Tränen gestillt je des Geängsteten? ...). In der vierten und fünften Strophe sind besonders auffällig die Fragen. Jeder Vers ist hier eine Frage. In diesem Gedicht kritisiert Prometheus, ein Titan, die Götter, spezifisch Zeus. Es ist eine Art Monolog. Prometheus sagt sich vom Herrschergott los und ist stolz auf seine Selbstbehauptung.
In der ersten Strophe kritisiert Prometheus Zeus, denn er beneidet den Titanen um seine geschaffenen Dinge. („Und um mein Herd, um dessen Glut du mich beneidest…“). Seinen Zorn lässt Zeus an der Natur bzw. an den Menschen aus, dies bezeichnet Prometheus als kindisch („Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst! Und übe, Knaben gleich, der Distel köpft, an Eichen dich und Bergeshöhn!“).
In der zweiten Strophe bezeichnet Prometheus die Götter als armselig, denn sie nähren sich nur von Opfergaben und Gebeten von Menschen. Selbst arme Leute opfern für die Götter, obwohl sie selbst kaum etwas zum Überleben haben. („Ihr nähret kümmerlich von Opfersteuern und Gebetshauch…“).
In der dritten Strophe rechtfertigt Prometheus seinen Glauben. Er wäre noch ein Kind gewesen und hätte sich nicht zu helfen gewusst und klagte deshalb bei den Göttern über sein Leid. Der Titan Prometheus beschuldigt in der nächsten Strophe die Götter ihm nie geholfen zu haben. Er hat sich ganz allein von seinen Leiden befreit ohne die Hilfe der Götter. („Wer rettete vom Tode mich, von Sklaverei? Has du’s nicht alles selbst vollendet heilig glühend Herz?“). Hier wird der Gegensatz Zeus-Titan angesprochen.
In der fünften Strophe stellt Prometheus, wie auch in der vierten Strophe ausschließlich Fragen. Diese bauen aufeinander auf. Sie klingen sehr vorwurfsvoll. Man kann die Aufgebrachtheit und Verachtung aus den Fragen erkennen. Er wirft den Göttern vor, sie hätten sich nie um die Leiden der Menschen gekümmert. („Hast du die Schmerzen gelindert je des Beladenen?“). Außerdem stellt er die Menschen als selbstständig und Herr über sich selbst hin. In den letzten drei Versen sagt Prometheus, dass die Zeit und das Schicksal über ihm, so wie auch über Zeus stehen.
Die sechste Strophe umfasst eine Frage. In dieser stellt er in Frage, ob Zeus gesagt hat, er solle das Leben hassen und fliehen, weil sich das Leben anders entwickelt hat als wie er es sich als Kind vorstellte. („Wähntest du etwa, ich solle das Leben hassen, in Wüsten fliehen, weil nicht alle Knabenmorgenblütenträume reiften?“). Seine Selbstherrlichkeit erreicht hier seinen Höhepunkt. („Hier sitz ich, forme Menschen nach meinem Bilde…“). Prometheus beschreibt sich selbst als Schöpfer, der Menschen nach seinem Bilde formt und die die Götter verachten wie er selbst.
Die ersten zwei Strophen befassen sich also mit der Beziehung Prometheus zu Zeus. In der dritten bis zur sechsten Strophe erfahren wir etwas über Prometheus Kindheit und seine Vergangenheit und im letzten Teil wird das gegenwärtige Leben Prometheus dargestellt.
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