| 1 | 01 | Du schlank und rein wie eine flamme |
|---|---|---|
| 02 | Du wie der morgen zart und licht | |
| 03 | Du blühend reis vom edlen stamme | |
| 04 | Du wie ein quell geheim und schlicht | |
| 2 | 05 | Begleitest mich auf sonnigen matten |
| 06 | Umschauerst mich im abendrauch | |
| 07 | Erleuchtest meinen weg im schatten | |
| 08 | Du kühler wind du heisser hauch | |
| 3 | 09 | Du bist mein wunsch und mein gedanke |
| 10 | Ich atme dich mit jeder luft | |
| 11 | Ich schlürfe dich mit jedem tranke | |
| 12 | ich küsse dich mit jedem duft | |
| 4 | 13 | Du blühend reis vom edlen stamme |
| 14 | Du wie ein quell geheim und schlicht | |
| 15 | Du schlank und rein wie eine flamme | |
| 16 | Du wie der morgen zart und licht. |
Der Symbolismus zeichnet sich durch seine idealisierten Züge aus. Er ist eine Gegenbewegung zum positivistischen Realismus und Naturalismus.
Der Symbolismus entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts und ist damit geprägt vom wissenschaftlichen Fortschritt und der Industrialisierung. Insbesondere hatte der Materialismus und philosophische Positivismus starken Einfluss auf diese Epoche. Die Symbolisten lehnten die Versachlichung des Menschen und die Abschaffung von abstrakten und ideal-ästhetischen Werten durch den Positivismus ab. Während sich Realismus und Naturalismus der streng wissenschaftlichen Ausrichtung der Positivsten anschlossen, wandten sich die Symbolisten diesem rationalistischem Weltbild ab.
| 1 | 01 | Sie trug den Becher in der Hand - |
|---|---|---|
| 02 | Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -, | |
| 03 | So leicht und sicher war ihr Gang, | |
| 04 | Kein Tropfen aus dem Becher sprang. | |
| 2 | 05 | So leicht und fest war seine Hand: |
| 06 | Er ritt auf einem jungen Pferde, | |
| 07 | Und mit nachlässiger Gebärde | |
| 08 | Erzwang er, daß es zitternd stand. | |
| 3 | 09 | Jedoch, wenn er aus ihrer Hand |
| 10 | Den leichten Becher nehmen sollte, | |
| 11 | So war es beiden allzu schwer: | |
| 12 | Denn beide bebten sie so sehr, | |
| 13 | Daß keine Hand die andre fand | |
| 14 | Und dunkler Wein am Boden rollte. |
Der Symbolismus zeichnet sich durch seine idealisierten Züge aus. Er ist eine Gegenbewegung zum positivistischen Realismus und Naturalismus.
Der Symbolismus entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts und ist damit geprägt vom wissenschaftlichen Fortschritt und der Industrialisierung. Insbesondere hatte der Materialismus und philosophische Positivismus starken Einfluss auf diese Epoche. Die Symbolisten lehnten die Versachlichung des Menschen und die Abschaffung von abstrakten und ideal-ästhetischen Werten durch den Positivismus ab. Während sich Realismus und Naturalismus der streng wissenschaftlichen Ausrichtung der Positivsten anschlossen, wandten sich die Symbolisten diesem rationalistischem Weltbild ab.
Hugo von Hofmannsthal wurde zunächst als Sohn einer wohlhabenden Familie in Wien gezeugt. Der Vater war Direktor einer Wiener Bank, die Mutter war Tochter eines Notars und der Großvater war ein erfolgreicher Industrieller in der Seidenindustrie. Durch den Börsenkrach 1873 verlor die Familie jedoch den Großteil es Vermögens bereits vor der Geburt von Hugo von Hofmannsthal, sodass der Schriftsteller später selbst arbeiten musste und permanent Angst vor Geldnot hatte. Nichtsdestotrotz sah die Öffentlichkeit die Familie weiterhin als wohlhabend an, was Hofmannsthal belastete. Durch seine Vorfahren hatte Hofmannsthal jüdische, böhmische und italienische Verwurzelungen. Hofmannsthal identifizierte sich nicht mit dem Judentum, wurde aber von der Öffentlichkeit immer wieder in die Rolle des jüdischen Intellektuellen gestellt, er selbst sah sich jedoch als katholischer Aristokrat.
Hofmannsthal genoss eine gute Ausbildung. Zunächst wurde er von einem Privatlehrer unterrichtet, ab 1884 wechselte er auf eine Eliteschule, nämlich das Akademische Gymnasium in Wien. Er lernte verschiedene Sprachen, galt als hervorragender Schüler und besaß für sein Alter einen erstaunlichen Intellekt.
Am Anfang seiner jungen Karriere schrieb er Gedichte im Stil von Friedrich Nietzsche und stieg schnell zum Literaten in der Autorengruppe Jung-Wien auf. Dort lernte er diverse andere Schriftsteller kennen, wie Gerhart Hauptmann, Artur Schnitzler oder Henrik Ibsen. Später begegnete er dem bekannten Symbolisten Stefan George, von dem sich Hofmannsthal stark beeinflussen ließ und mit dem er eine Freundschaft verband.
Der Vater drängte Hofmannsthal zu einem Jurastudium, welches Hofmannsthal dann aber nach dem eingeschobenen Militärdienst und einer Venedigreise abbrach und begann stattdessen ein Studium in Französischer Philologie.
Nach dem Erhalt des Doktortitels 1898, schrieb er seine Habilitationsschrift und reiste umher. In der Zeit um 1899 lernte er viele Künstler und Schriftsteller wie den Bildhauer Auguste Rodin, den Komponisten Richard Strauss oder den Dichter Rainer Maria Rilke kennen. Gleichzeitig wendet sich Hofmannsthal stärker dem Theater und der Oper zu und sein erstes Stück Frau im Fenster wird in Berlin aufgeführt. Mit der Hinwendung zum Theater geht auch die Freundschaft mit Stefan George zu Bruch.
Hofmannsthal bricht 1901 seine Habilitation ab und verzichtet darauf einen Lehrstuhl als Professors zu erlangen, er arbeitet lieber als freier Schriftsteller. Im selben Jahr heiratet Hofmannsthal Gertrud Schlesinger, Tochter eines Bankiers und sie bekommen drei Kinder.
Ab 1906 beginnt Hofmannsthal mit Richard Strauss zusammenzuarbeiten. Sie erstellten eine Neufassung der Elektra-Oper und schufen zusammen weitere Werke wie Der Rosenkavalier und Ariadne auf Naxos.
Durch den ersten Weltkrieg nimmt Hofmannsthal 1914 seine Arbeit im Kriegsfürsorgeamt auf und erstellt national gefärbte Veröffentlichungen in der Neuen Freien Presse.
1917 gründen Hofmannsthal, Strauss, Max Reinhardt und Franz Schalk die Salzburger Festspiele.
Bis zum Lebensende beschäftigt sich Hofmannsthal weiterhin größtenteils mit dem Theater. Er schreibt 1920 das Trauerspiel Der Turm, 1921 das Drama Der Schwierige und arbeitete zuletzt noch mit Strauss an der Komödie Arabelle, welche aber erst nach seinem Tod aufgeführt wurde.
1929 begeht der älteste Sohn von Hofmannsthal Selbstmord, da er künstlerisch relativ unbegabt war und daher Schwierigkeiten hatte, Fuß zu fassen. Als Hugo von Hofmannsthal zur Beerdigung seines Sohnes aufbrechen möchte, erlitt dieser einen Schlaganfall und stirbt in Rodaun ebenfalls. Durch den Nationalsozialismus und der Annektion Österreichs wurde das Familienvermögen durch die Nazis aufgelöst und die Familie emigrierte ins Ausland.
Hofmannsthal gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller, Dramatiker, Dichter und Librettisten.
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Weitere Informationen
In dem Gedicht „Du schlank und rein wie eine flamme“ von 1928 beschreibt Stefan George in einem biografischen Bezug, seine Liebe zu einem toten Knaben.
Die vier Strophen sind durchgehend im Kreuzreim gedichtet und in je vier Verse gegliedert. Nur die Anfangsbuchstaben der Verse sind großgeschrieben, in Versalien. In der 4. Strophe wiederholt George die Verse der 1. Strophe in geänderter Reihenfolge. Die 1. Strophe beinhaltet die Beschreibung der Eigenschaften des toten Knaben; George wählt dafür Vergleiche. Die „schlanke und reine Flamme“ in Zeile 1 symbolisiert die zierliche, kindliche Figur der geliebten Person. Der „zarte und lichte Morgen“ und der „blühende Reis vom edlen Stamme“ sprechen für ein sehr junges, männliches Wesen aus gehobener Gesellschaft, da der Reis – ein sprießender, junger Ast – ein Phallussymbol ist (Z. 2-3). Dessen Fähigkeiten erkenne nur der Verfasser, da er ihn in Zeile 4 als „geheimen, schlichten Quell“ bezeichnet. In der gesamten ersten Strophe sowie in ihrer Wiederholung fehlen die Verben, was bedeutet, dass der Knabe bereits tot ist, da man an ihnen einen Zeitpunkt festmachen könnte und der Geliebte keine Handlungsmöglichkeiten hat. In Zeile 5 – 8 übernimmt dieser „Tätigkeiten“, die ebenso rein fiktiv1 vom Protagonisten empfunden werden können, z.B.: „Begleitest mich auf sonnigen Matten“ (Z.5). Diese vier Zeilen betonen die Allgegenwärtigkeit des Knaben für den Dichter und dessen positive Wirkung auf ihn („Erleuchtest meinen Weg im Schatten (Z.7)). George wechselt in der 3. Strophe in die Ich-Form und demonstriert seine Besessenheit und Abhängigkeit, seine Wünsche und Gedanken: Zum Einen durch die Wiederholung der Worte „jeder/jedem“, was erneut die Allgegenwärtigkeit des toten Jungen widerspiegelt, zum Anderen durch die Verwendung von Verben wie „atme dich“, „schlürfe dich“ und „küsse dich“, was für seine erotische Anziehung steht. Den „zarten, lichten Morgen“ aus der ersten Strophe stellt George an den Schluss des Gedichtes, um zu betonen, was ihm an dem Knaben am wichtigsten war, nämlich seine Jugend.
Für Stefan George war es typisch, seine Gedichte „selbst von streng symmetrischer Architektur sein zu lassen“, dazu gehörte die konsequente Kleinschreibung; dass jedes Gedicht vier Strophen mit vier Versen und ein festes Reimschema besaß.
Gemeint ist im Gedicht der Knabe Maximilian Kronberger, den George als „poetisches Genie und moderne Antonius-Figur“ bis über seinen frühen Tod hinaus
verherrlichte.
Nach einer gescheiterten Beziehung zu Ida Coblenz hatte George Frauen aus seinem Leben verbannt. Er sammelte junge Dichter um sich, die sich ihm unterordneten. Aufgrund seiner wachsenden Herrschsucht gelang es ihm nicht, die stürmische Männerfreundschaft zu dem Schreiber des Gedichtes „Die Beiden“, Hugo von Hofmannsthal, aufrecht zu erhalten.
In dessen Werk von 1896 geht es um ein vermeintliches Liebespaar, dessen Liebe möglicherweise aufgrund der Standesunterschiede scheitert. Das Gedicht ist in vier Strophen unterteilt, wobei die ersten beiden mit jeweils vier Versen die beiden Charaktere beschreiben und die beiden letzten mit jeweils drei Versen ihre Zusammenführung schildern und zusammen ein Sonett bilden, dass aber von seiner klassischen Form abweicht.
Die junge Frau, deren sichere Schritte in der ersten Strophe mittels eines Paarreims
dargestellt werden, trägt einen Becher in der Hand (Z. 1).
Ihre Jugend erklärt sich aus dem Vergleich ihres Mundes, bzw. der Weich- und Glattheit ihrer Lippen mit dem glatten Rand des Gefäßes (Z. 2). Der junge Mann hingegen wird in Zeile 5 – 8 durch einen umarmenden Reim, auf einem Pferd sitzend, mit seinen Beinen den Körper des Pferdes „umarmend“ beschrieben. Der Reiter ist jung, da er sein junges Ross nach einem Galopp mit „nachlässiger Gebärde zum Stehen bringt“ (Z. 7 8).
Die „Beiden“ treffen in Zeile 9 – 14 aufeinander, was mit einem Bruch im Reimschema, dem Gemisch aus Paar- und Kreuzreim dargestellt wird. Es entsteht ebenfalls eine abrupte Änderung in der Gefühlswelt der jungen Menschen, da sie sich zuvor in Zeile 3 5 leicht und sicher bewegten und nun in Zeile 12 beide so sehr beben. Das Mädchen möchte dem Jungen den Becher reichen, den dieser nicht annehmen kann, woraufhin jener zu Boden fällt. Der Becher ist hier mit seinem roten, dunklen Wein ein Symbol für die Liebe des Mädchens (Z. 14), die der Junge nicht erwidern kann. Sie beben beide, da er fürchtet, sie zu verletzen und sie, weil sie vor Liebe zu ihm vergeht (Z. 12). Die Liebe scheint zum Scheitern verurteilt, da er auf seinem hohen Ross einen höheren Stand repräsentiert und während der “Becherübergabe“ sich nicht auf ihre Ebene begibt.
Hugo von Hofmannsthal schrieb dieses Gedicht als „Kunst um der Kunst willen“, weswegen dieses Werk keinen autobiografischen Hintergrund zu haben scheint.
Beide Gedichte beschreiben eine unerfüllte, tragische Liebe. Die Liebe geht nur von einer Seite aus und kann von der anderen nicht erwidert werden. Bezüglich der äußeren Form weisen sie Unterschiede auf, bis auf ihre Strophenanzahl.
Stefan George verfasste sein Werk durchweg im Kreuzreim, seine Strophen haben die gleiche Anzahl von Versen, hingegen Hugo von Hofmannsthal weist seinen Abschnitten charakteristische Reime zu und man kann die letzten Strophen seines Sonetts zusammenfassen. In Georges Werk kann die geliebte Person die Liebe nicht erwidern, weil sie nicht mehr lebt. Sein Gedicht ist in der Ich-Form geschrieben, er selbst ist der Liebende.
Sein Dichterkollege lässt eine Beziehung aufgrund des Standesunterschiedes scheitern und ist der allwissende Erzähler in der dritten Person. Bei George könnte man ohne Hintergrundwissen nicht genau feststellen, welches Geschlecht der Protagonist liebt, wohingegen Hugo von Hofmannsthal deutlich durch „sie“ und „er“ trennt.
| 1 | nur erdacht, frei erfunden |
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Quelle der Biografien: Autorenlexikon (2. Auflage), Stuttgart, 1994. |
