Die Neue Sachlichkeit nimmt ihren Ursprung in der Weimarer Republik und endet ungefähr mit dem Beginn der nationalsozialistischen Diktatur. Sie grenzt sich vorwiegend vom zu pathetisch und emotional empfundenen Expressionismus ab und versucht stattdessen sachlich und distanziert das moderne Leben zu beschreiben. Häufig wirkt dieser Stil geradezu wie eine dokumentarische Darstellung des Alltagslebens. Da dieser objektive Stil Ähnlichkeiten mit dem Realismus hat, spricht man beim Realismus auch von "Alte Sachlichkeit". Im Gegensatz zum bürgerlichen Realismus in Deutschland ist die Neue Sachlichkeit jedoch durchaus auch politisch.
Ferner sehen die Autoren der Neuen Sachlichkeit, anders als die Expressionisten, den Dichter nicht mehr in einer herausragenden Stellung, der der Gesellschaft als visionärer geistiger Führer einen Weg durch die technisiert und unmoralisch gewordene Welt zeigt. An der Stelle des Dichters und des Dichtens tritt das Beobachtende. Nicht der Dichter selbst sollte das Leitbild sein, sondern die Wiedergabe der Realität sollte den Menschen neue Leitbilder geben, um in der modernen Massengesellschaft zu bestehen. Die exakte Beschreibung der Realität und der Alltagssorgen sollte die Menschen wachrütteln und dazu motivieren, ihre Gesellschaft selbst zu formen. Kultur sollte einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht und so zudem die Vorteile der Demokratie aufzeigen. Das Individuum trat, im Gegensatz zu den vorangegangenen Epochen, gegenüber der Gesellschaft in den Hintergrund.
In der Lyrik wurde versucht sich an einem Nützlichkeitswert zu orientieren. Ein Gedicht sollte einen praktischen Wert für den Leser haben und verdeutlichte oftmals (Alltags-)Probleme der damaligen Zeit. Diese Art der Lyrik wird Gebrauchslyrik genannt und wurde in einer einfachen und leicht verständlichen Sprache verfasst. Der Nutzen des Gedichts sollte leicht und unmittelbar erkennbar sein. Alltagsprobleme der Weimarer Republik waren z.B. Angst vor Arbeitslosigkeit und Arbeitsdruck, Überlebenskampf, Mangel an Gütern oder Krankheit.
Die Neue Sachlichkeit nimmt ihren Ursprung in der Weimarer Republik und endet ungefähr mit dem Beginn der nationalsozialistischen Diktatur. Sie grenzt sich vorwiegend vom zu pathetisch und emotional empfundenen Expressionismus ab und versucht stattdessen sachlich und distanziert das moderne Leben zu beschreiben. Häufig wirkt dieser Stil geradezu wie eine dokumentarische Darstellung des Alltagslebens. Da dieser objektive Stil Ähnlichkeiten mit dem Realismus hat, spricht man beim Realismus auch von "Alte Sachlichkeit". Im Gegensatz zum bürgerlichen Realismus in Deutschland ist die Neue Sachlichkeit jedoch durchaus auch politisch.
Ferner sehen die Autoren der Neuen Sachlichkeit, anders als die Expressionisten, den Dichter nicht mehr in einer herausragenden Stellung, der der Gesellschaft als visionärer geistiger Führer einen Weg durch die technisiert und unmoralisch gewordene Welt zeigt. An der Stelle des Dichters und des Dichtens tritt das Beobachtende. Nicht der Dichter selbst sollte das Leitbild sein, sondern die Wiedergabe der Realität sollte den Menschen neue Leitbilder geben, um in der modernen Massengesellschaft zu bestehen. Die exakte Beschreibung der Realität und der Alltagssorgen sollte die Menschen wachrütteln und dazu motivieren, ihre Gesellschaft selbst zu formen. Kultur sollte einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht und so zudem die Vorteile der Demokratie aufzeigen. Das Individuum trat, im Gegensatz zu den vorangegangenen Epochen, gegenüber der Gesellschaft in den Hintergrund.
In der Lyrik wurde versucht sich an einem Nützlichkeitswert zu orientieren. Ein Gedicht sollte einen praktischen Wert für den Leser haben und verdeutlichte oftmals (Alltags-)Probleme der damaligen Zeit. Diese Art der Lyrik wird Gebrauchslyrik genannt und wurde in einer einfachen und leicht verständlichen Sprache verfasst. Der Nutzen des Gedichts sollte leicht und unmittelbar erkennbar sein. Alltagsprobleme der Weimarer Republik waren z.B. Angst vor Arbeitslosigkeit und Arbeitsdruck, Überlebenskampf, Mangel an Gütern oder Krankheit.
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Der erste Weltkrieg war eine Zeit, in der die Menschen sehr zu leiden hatten. Vor allem durch Hungersnöte und bei Frauen und Kindern sowie Verwandten und Bekannten die Trauer um die gefallenen Männer im Krieg. Dieses Thema greifen Klabund und Erich Kästner, die beide Vertreter der Neuen Sachlichkeit sind, auf. Klabund schrieb den epischen Text „Die Schlachtreihe”, welcher 1926 erschien, und Kästner das Gedicht „Primaner in Uniform”, aus dem Jahre 1931. Beide Texte spielen im damaligen Schulwesen und spiegeln das Leben der Professoren, Rektoren, Schüler und Mütter wieder.
Alfred Henschke bedient sich dabei eines einfachen Satzbaus und weniger rhetorischer Mittel. Er verwendet meist parataktische Sätze. Nur hin und wieder benutzt er Inversionen1, wie „Unser Lateinlehrer, der alte Professor Hiltmann,” (Z.1) , die dem Leser nähere Informationen zu den Personen bieten (vgl. Z.1 und Z.4-5). Dies ist hilfreich, um die Geschichte des Professor Hiltmann zu verstehen. Professor Hiltmann ist der Meinung, dass das lateinische Substantiv acies „Heer” bedeutet. Damit verharmlost er die Meinung vieler Menschen, die das Heer als Schlachtreihe bezeichneten. Einer seiner Schüler, besser gesagt der Schlechteste, ist Falkenstein. Dieser musste nach der Schule in den Krieg. Eines Tages erhielt Professor Hiltmann einen Brief von Falkenstein, indem er schrieb, dass „acies” doch „Schlachtreihe” hieße. Kurz darauf fällt Falkenstein im Krieg vor Verdun. Hier ist erkennbar, wie sehr Professor Hiltmann, der für das deutsche Volk steht, das vom Krieg fasziniert ist, den Krieg unterschätzt hat. Der Krieg ist ein wahres Schlachtfeld, in dem zahlreiche Soldaten für ihr Land sterben und am Ende nichts erreichen. Um diese Wirkung zu erzielen, bedient sich Klabund mehrerer Neologismen, wie der „Schlachtreihe” (Z.3) und den „männermordenden Kämpfe[n]” (Z.10). Ein weiterer Ansatz ist, dass er seinen Text als eine Art Beweisführung aufgebaut hat. Zu Beginn formuliert Klabund die These, dass „acies” mit „die Schlachtreihe” (Z.3) übersetzt wird und nicht nur mit „das Heer” (Z.4). Dass Professor Hiltmann nicht dieser Meinung ist, lässt sich mit der zweifach auftretenden Wortgruppe „geschworener Feind aller feierlichen und hochtrabenden Phrasen” (Z.1f. und Z.8) beweisen. Dennoch ist Hiltmann ein Gegner des Krieges, obwohl er ihn als etwas Normales ansieht. Er erkennt wahrscheinlich, dass viele Menschen im Krieg ihr Leben lassen mussten und er nun auch jemanden verloren hatte (vgl. Z. 17-19). Er konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Trotz dieser Tragik wird alles sehr emotionslos beschrieben. Es finden sich nur sehr wenige Adjektive (vgl. Z. 1,4,5,10,17) und es wird alles sehr realitätsnah geschildert. Dies wird durch die bloßen Feststellungen, wie „Der Weltkrieg brach aus” (Z.7) und „Falkenstein fiel vor Verdun” (Z.19) deutlich. Es finden sich auch keine Metaphern. Alles ist klar und verständlich formuliert, damit jeder Leser diesen Text inhaltlich verstehen und nachvollziehen kann.
Damit ist der Text Klabunds inhaltlich dem Gedicht von Kästner sehr ähnlich. In dem Gedicht von Erich Kästner geht es um einen Primaner, der zusehen muss, wie fast alle seine Klassenkameraden im Krieg umkommen und die Lehrer und Eltern darunter zu leiden haben.
Kästner bedient in seinem Gedicht, das aus zehn Strophen mit je vier Versen besteht, des Kreuzreims. Dieser ist durchgängig vorzufinden, wie auch der Jambus als Metrum und die männlichen Kadenzen2. Diese Gleichmäßigkeit korrespondiert mit dem Inhalt und zeigt, dass immer wiederkehrende furchtbare Ereignisse zur Alltäglichkeit werden.
Um sein Gedicht so authentisch wie möglich zu machen, verwendet Kästner zahlreiche emotionslose Feststellungen. Beispiele dafür sind, dass „[d]er Klassenbruder Kern [tot sei]” (V.3), „Kurt Kern, gefallen bei Langenmarck” (V.8) ist, „Heinbold fiel” (V.11) und „Kloßmann [vergast wurde]” (V.28). Der Bezug zur sozialen Situation wird deutlich durch die schlichten formulierten Aussagen, wie „wir begruben ihn dann” (V.22) und „im Klassenzimmer hing ein Brett” (V.23). Hier wird die Armut der Deutschen deutlich, was auf die großen Investitionen in die Waffenindustrie zurückzuführen ist. Man konnte sich zu damaligen Zeiten keine wertvolle Gedenktafel leisten, auf der die Namen der Gefallenen notiert waren. Daher war alles sehr schlicht und einfach. Diese Schlichtheit wird ebenfalls im Gedicht deutlich, da Kästner fast keine Adjektive im Vergleich zu Klabund einsetzt. Eine Ausnahme ist „der kleine Braun” (V.27). Allerdings findet man im Gegensatz zu Klabunds Text mehrere Metaphern. Die Mutter, die vor Kummer krumm (Alliteration3) ging (vgl. Z.18), drückt die Trauer und die Verzweiflung der Hinterbliebenen aus. Ein weiteres Beispiel ist, dass die „Lehrer [Latein trüben]” (V.30). Sie unterrichteten ganz normal ihre Schüler, als ob nichts geschehen wäre, obwohl doch ständig neue Männer zum Krieg eingezogen wurden.
Doch das lyrische Ich gibt die Hoffung nicht au. Im vorletzten Vers hofft es auf ein Ende des Krieges und damit auf ein langes Leben, denn „achtzehn Jahr [...] ist nicht sehr alt” (V.35-36).
Doch die Hoffnung ist nicht sehr groß. Verdeutlicht wird dies durch die häufig auftretenden ähnlichen Strophenanfänge. Der Parallelismus zeigt die Hoffnungslosigkeit auf, denn es beginnt immer wieder von Vorne, immer wieder werden Männer eingezogen und fallen. Es gibt kein Entrinnen für sie, außer das Ende des Krieges.
Durch diese sehr charakteristischen Merkmale der beiden Texte lassen sie sich eindeutig in die Strömung der neuen Sachlichkeit einordnen. Beide Texte nehmen Bezug zum ersten Weltkrieg und der sozialen Situation zu jener Zeit. Dennoch kritisieren sie den ersten Weltkrieg und seine Sinnlosigkeit nicht direkt. Sie beleuchten ihn vielmehr und geben ihn aus ihrer Sicht wieder. Durch diese sehr sachliche Beschreibung wirken beide Texte sehr authentisch. Es lassen sich auch keine Kommentare der Autoren in den Texten finden. Typisch für die neue Sachlichkeit ist ebenfalls der in beiden Texten sehr minimierte Einsatz von rhetorischen Mitteln, Emotionen und Adjektiven. Dennoch lassen sich Unterschiede erkennen. Zum einen ist der Aufbau der beiden Texte völlig verschieden, der Niederschrift von Klabund ist ein epischer Text und bei dem von Kästner handelt es sich um einen lyrischen Text. Zum Anderen ist Klabunds Sprache schwerer zu verstehen, da er in seinem Text sehr viele Fremdwörter nutzt.
Abschließend lässt sich sagen, dass trotz dieser wenigen Unterschiede und der Differenz von 5 Jahren bei der Veröffentlichung sich beide Texte sehr ähneln und Bezug zur Zeitgeschichte nehmen, indem sie das Leben der Soldaten und Rektoren zu Zeiten des 1. Weltkriegs schildern.
Es handelt sich meiner Meinung nach um sehr interessante Texte, bei denen es möglich ist, sich eine eigene Meinung über den 1. Weltkrieg zu bilden. Diese Eigenschaft haben wir der Neuen Sachlichkeit zu verdanken. Sie stellt den Menschen als Individuum nicht in den Vordergrund, er wird nicht verschönt oder schlechter dargestellt, sondern so wie er wirklich ist.
85b3ada9ac| 1 | Umstellung des Satzbaus. |
| 2 | Männliche (stumpfe) Reime (einsilbig): Not/Tod, Mut/Gut; Weibliche (klingende) Reime (zweisilbig mit Betonung auf der vorletzten Silbe): singen/klingen, sagen/fragen. |
| 3 | Bei der Alliteration beginnen mehrere Worte mit dem gleichen Buchstaben. Beispiel: „Milch macht müde Männer munter.“ |
