| 1 | 01 | Under der linden |
|---|---|---|
| 02 | An der heide | |
| 03 | Da unser zweier bette was. | |
| 04 | Da mugt ir vinden | |
| 05 | Schône beide | |
| 06 | Gebrochen bluomen unde gras, | |
| 07 | vor dem walde in einem tal. | |
| 08 | Tandaradei, | |
| 09 | schône sanc diu nahtegal. | |
| 2 | 10 | Ich kam gegangen |
| 11 | Zuo der Ouwe: | |
| 12 | Dô was mîn friedel komen ê | |
| 13 | Dá war ich empfangen, | |
| 14 | hêre frouwe | |
| 15 | daz ich bin saelic iemer mê. | |
| 16 | Kuste er mich? Wol tûsentstunt: | |
| 17 | Tandaradei, | |
| 18 | seht wie rôt mir ist der unt. | |
| 3 | 19 | Do het er gemachet |
| 20 | Alsô rîche | |
| 21 | Von bluomen eine bettstat. | |
| 22 | Des wirt noch gelachet | |
| 23 | Innecliche, | |
| 24 | kumt iemen an daz selbe pfat. | |
| 25 | Bî den rôsen er wol mac | |
| 26 | Tandaradei, | |
| 27 | merken wâ mirz houbet lac. | |
| 4 | 28 | Daz er bi mir laege, |
| 29 | wessez iemen | |
| 30 | (no enwelle got!), sô schamt ich mich. | |
| 31 | Wes er mit mir pflaege, | |
| 32 | niemer niemen | |
| 33 | bevinde daz wan er und ich- | |
| 34 | und ein kleinez vogellîn | |
| 35 | tandaradei, | |
| 36 | daz mac wol getriuwe sin. |
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Weitere Informationen
Das Gedicht „Under der Linden“ von Walther von der Vogelweide wird für jene Zeit ungewöhnlicher Weise von einer Frau vorgetragen. Was als erstes auffällt ist der Widerspruch zwischen dem Bestreben der Sängerin ihre Liebe öffentlich bekannt zu machen und sie gleichzeitig zu verheimlichen. Letztendlich wird hier klar, dass das lyrische ich eine Idelvorstellung von Liebe vorträgt.
In der 1 Strophe finden sich viele Begriffe aus der Natur wie z.B. Linden Heide, Blumen, Gras, Wald oder Nachtigall. Obwohl diese Begriffe allgemein sind und keinen bestimmten Ort festmachen erzeugen sie in ihrer Gesamtheit eine harmonische Stimmung, Besonders lässt sich das an der Linde festmachen, die das Symbol für Schutz und wegen ihrer Blüten als Heilend gilt. Die gebrochenen Blumen wurden von den mittelalterlichen Zuhörern als erotisches Symbol gedeutet. Die Kunstvolle Gestaltung der ersten Strophe im Reimschema abcabc d Waise d setzt sich in den andern Strophen fort. Genialerweise haben alle Verse mit gleichem Reim auch gleich viele Silben. Was für die Mittelalterliche Dichtung typisch ist: Wegen identischer Inhalte – Minne Gesang, über die Liebe- legten die mittelalterlichen Dichter großen Wert auf eine Individuelle Formgestaltung. Außerdem stehen Vers 1 3, und 4 im Daktylus, einem leicht beswingtem Takt. Dies verleiht dem Gedicht eine leicht swingend und locker wirkenden Touch der bei Singen noch deutlicher wird. Aus diesem Grund finden sich bei Minne Gedichten eine zwei von ähnlicher Form.
Im weiteren Verlauf wird vorallem die Verehrung der Frau thematisiert , besonders deutlich wird das durch „hêre frouvwe“ in Vers 14 oder das „empfangen“ in Vers 13. Damit wird sie auf die Stufe einer adligen Dame gehoben was im Mittelalter eine besondere Auszeichnung war. Zahlreiche andere Stellen Signalisieren die Gewaltfreiheit der Liebe. Wegen der Unterdrückung der Frau im Mittelalter muss das auch als Idealvorstellung gewertet werden. Ein anschließendes Zeichen dieser Idealvorstellung ist, dass man letzendlich nichts über das lyrische Ich und dem besungenem Partner erfährt.
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