| 1 | 01 | Der Winter ist ein rechter Mann, |
|---|---|---|
| 02 | kernfest und auf die Dauer; | |
| 03 | sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an. | |
| 04 | Er scheut nicht süß noch sauer. | |
| 2 | 05 | Er zieht sein Hemd im Freien an |
| 06 | Und läßt‘s vorher nicht wärmen, | |
| 07 | Und spottet über Fluß im | |
| 08 | Und Kolik in Gedärmen. | |
| 3 | 09 | Aus Blumen und aus Vogelsang |
| 10 | Weiß er sich nichts zu machen, | |
| 11 | Haßt warmen Drang und warmen Klang | |
| 12 | Und alle warmen Sachen. | |
| 4 | 13 | Doch wenn die Füchse bellen sehr, |
| 14 | Wenn‘s Holz im Ofen knittert, | |
| 15 | Und an dem Ofen Knecht und Herr | |
| 16 | Die Hände reibt und zittert, | |
| 5 | 17 | Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht |
| 18 | und Teich und Seen krachen; | |
| 19 | das klingt ihm gut, das haßt er nicht, | |
| 20 | dann will er sich totlachen. | |
| 6 | 21 | Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus |
| 22 | beim Nordpol an dem Strande; | |
| 23 | doch hat er auch ein Sommerhaus | |
| 24 | im lieben Schweizerlande. | |
| 7 | 25 | Da ist er denn bald dort bald hier, |
| 26 | gut Regiment zu führen, | |
| 27 | und wenn er durchzieht stehn wir | |
| 28 | und sehn ihn an und frieren. |
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Weitere Informationen
Insgesamt lässt sich das Gedicht in vier Teile mit jeweils zwei Strophen gliedern. Da das Gedicht im Jambus geschrieben ist, wirkt es aufgelockert, und auch der Kreuzreim lässt keine trübe Stimmung aufkommen, die Reime sind sogar eine gute Verstärkung füreinander.
Im ersten Teil wird der Winter personifiziert und seine Gestalt genauer beschrieben.
In der ersten Strophe fallen besonders Begriffe wie "rechter Mann" oder "kernfest" auf, mit denen der Winter als standhafter und gerechter Mann dargestellt wird. In der zweiten Strophe wird er mit den Begriffen "gesunder Mann" und "er krankt und kränkelt nimmer" beschrieben.
Dies zeigt seine immer währende Gesundheit, er ist nie krank und noch nicht einmal geschwächt.
Im zweiten Teil geht Matthias Claudius genauer auf die "vorlieben und Abneigungen des Winters ein.
Dadurch, dass der Winter in der ersten Strophe "sein Hemd im Freien anzieht und es vorher nicht wärmen lässt" wird deutlich, dass ihm Unannehmlichkeiten nicht stören und ihm besonders die Kälte nichts
anhaben kann. Weiterhin "spottet er über Fluß im Zahn und Kolik in Gedärmen". Weil er diese Krankheiten niemals haben wird macht er sich
über die Menschen lustig, die von ihnen betroffen sind.
In der zweiten Strophe "weiß er sich aus Blumen und aus Vogelsang nichts zu machen". Er verachtet den Frühling und kann mit den farbenfrohen Blumen und dem fröhlichen Vogelgesang nichts anfangen. Im dritten Teil des Gedichts wird die Reaktion der Menschen sowie der
Natur auf den harten Winter beschrieben.
In der ersten Strophe ist mit "dem knittern des Holzes im Ofen" der
Kamin gemeint, der an frostigen Wintertagen von den Menschen zur Beheizung des Hauses gebraucht wird. Um diesen Kamin herum "reiben sich Heu und Knecht zitternd die Hände". Hier wird durch "Knecht und
Heu" deutlich, dass alle Hausbewohner vom Winter betroffen sind und nicht nur wohlhabende Menschen sich einen Platz am Feuer verdient
haben.
Die zweite Strophe stellt einen Kontrast zur ersten dar, da in dieser nicht das Geschehen in den Häusern sondern draußen in der Natur
beschrieben wird. Dadurch, dass "Stein und Bein vor Frost zerbricht" wird klar, dass die gesamte Natur unter dem Winter leidet, sowohl
Pflanzen als auch Tiere. In der weiteren Umgebung "krachen Teich und Seen", welche bei Frost zugefroren sind und durch Erschütterungen
große Risse in die dicke Eisdecke bekommen können. Doch "das klingt dem Winter gut, das hasst er nicht". Der Winter ist sehr angetan von dem frostigen Geschehen in der Welt und betrachtet das ganze als ein lustiges Schauspiel.
Im letzten, vierten Teil geht es in der ersten Strophe um den Wohnort und die Wohnhäuser des Winters. Des Winters erstes Haus, "sein
Schloss von Eis" ist ein prachtvolles Eisgebäude und es "liegt beim Nordpol am Strande". Durch den Gebrauch des Begriffes "Strand" stellt
.
Matthias Claudius hier den Winter als sehr positiv dar, und auch die
Bemerkung, dass er noch "ein Sommerhaus" hat, welches "im lieben
Schweitzerlande" liegt, verstärkt dieses Argument.
In der letzten Strophe wird geschrieben, dass der Winter "bald hier, bald dort" ist, um "gut Regiment zu führen", dass heißt, um seine Arbeit zu vollbringen indem "er durchzieht" und die ganze Welt zum "Frieren" bringt.
