| 1 | 01 | In einem kühlen Grunde |
|---|---|---|
| 02 | Da geht ein Mühlenrad, | |
| 03 | Mein Liebste ist verschwunden, | |
| 04 | Die dort gewohnet hat. | |
| 2 | 05 | Sie hat mir Treu versprochen, |
| 06 | Gab mir ein'n Ring dabei, | |
| 07 | Sie hat die Treu gebrochen, | |
| 08 | Mein Ringlein sprang entzwei. | |
| 3 | 09 | Ich möcht als Spielmann reisen |
| 10 | Weit in die Welt hinaus, | |
| 11 | Und singen meine Weisen, | |
| 12 | Und gehn von Haus zu Haus. | |
| 4 | 13 | Ich möcht als Reiter fliegen |
| 14 | Wohl in die blut'ge Schlacht, | |
| 15 | Um stille Feuer liegen | |
| 16 | Im Feld bei dunkler Nacht. | |
| 5 | 17 | Hör ich das Mühlrad gehen: |
| 18 | Ich weiß nicht, was ich will - | |
| 19 | Ich möcht am liebsten sterben, | |
| 20 | Da wär's auf einmal still! |
Die Romantik ist die Fortsetzung des Klassizismus und stellte sich gegen die vernunftbegabte Philosophie der Aufklärung.
Häufig hat sich die Romantik der Vergangenheit in Form eines idealisierten Mittelalters bedient. Auch das Motiv Fernweh und das Reisen in exotische Länder wurde gern verwandt. Dabei stellen die Romantiker ihre Werke in den Kontext irrationaler Gefühle, Sehnsucht, Heilung der Welt und Mystik.
Die Romantiker selbst sahen sich in einem geschichtlichen Bruch. Die Aufklärung drohte - nach Darstellung der Romantiker - den Menschen von sich selbst zu entfremden, zu vereinsamen und hilflos dieser Entwicklung gegenüber zu stehen. Die Gesellschaft war ihrer Empfindung nach gespalten in eine Welt von "Zahlen und Figuren" (Novalis) und in die Welt der Gefühle und des Wunderbaren. Die Romantiker hatten eine Sehnsucht die Welt von diesem Zwiespalt zu heilen, sie versuchten diese Spaltung aufzuheben, die Welt zu vereinen und die Gegensätze zusammenzuführen.
Deutlich wurde diese Sehnsucht in den Werken, die sich den Szenerien von nebelverhangenen Tälern, mittelalterlichen Ruinen, der Natur, Märchen, Mythen und derlei Geheimnisse bedienten.
Besonderen Ausdruck nach Einheit, Heilung und Sehnsucht fand die romantische Bewegung in der blauen Blume. Sie gilt heute als zentrales Motiv der romantischen Epoche.
Freiherr Joseph von Eichendorff war Kind einer kleinen katholischen Adelsfamilie im oberschlesischen Grenzgebiet. Joseph von Eichendorff wurde als zweites Kind geboren, er besaß einen älteren Brüder und eine sechzehn Jahre jüngere Schwester.
Das recht ansehnliche schlesische Landgut, dass im Besitz der Familie war, musste wegen ökonomischer Missgeschicke des Vaters verkauft werden. Ab 1801 geriet das Gut immer mehr in wirtschaftliche Schieflage und musste mit dem Tod des Vaters 1818 bzw. der Tod der Mutter 1822 vollständig aufgegeben werden.
Eichendorff besuchte 1801 zusammen mit seinem Bruder ein katholischen Gymnasium, danach waren sie eine Zeit lang Gasthörer an der Universität Breslau. 1805 nahmen beide ein Jura-Studium in Halle auf, welches sie 1807 in Heidelberg fortführten.
In Heidelberg am Joseph-Görres-Kolleg lernte Eichendorff mit Clemens Brentano, Heinrich von Kleist und Achim von Arnim wichtige Vertreter der Heidelberger Romantik kennen.
Dieses Jahr prägte Eichendorff entscheidend, er vertiefte sich in die Schriften von Görres, Novalis und Göthe. Eichendorff erkannte, dass die Offenbarung der Dinge und der Natur durch den Dichter selbst zum Leben erweckt werden müssen, was in seinem Gedicht "Wünschelrute" zum Ausdruck kommt.
Eichendorff war einer der bedeutendsten deutschen Lyriker und Prosaautoren. Er verstarb 1857 in Neisse (Schlesien).
Das zerbrochene Ringlein (1837)
Von Joseph von Eichendorff (1788 – 1857
Das Gedicht „Das zerbrochene Ringlein“ von Joseph von Eichendorff handelt von der tiefen Trauer eines Mannes, der von seiner Geliebten verlassen wurde. Es wurde 1837 veröffentlicht und ist durch die Thematik „Liebe“ ein typisches Gedicht der Romantik, welches sich jedoch nicht mit der Freude und Schönheit der Liebe, sondern mit der negativen Seite, der Trennung und der Enttäuschung beschäftigt.
Das Gedicht besteht aus fünf Strophen mit jeweils vier Versen. Das Reimschema ist a-b-a-b, also ein Kreuzreim. Teilweise sind die Reime unrein. Jeder a-Vers hat sieben Silben, jeder b-Vers sechs. Außerdem bestehen die Verse aus mehreren Jamben.
In der ersten Strophe beschreibt das lyrisch Ich zuerst einmal die Gesamtlage: Die Liebste hat das lyrische Ich verlassen und es ist allein an ihrem alten Wohnort. Man kann davon ausgehen, dass das lyrische Ich männlich ist. Die Worte „An einem kühlen Grunde (…) die dort gewohnet hat“ (V.1) wurden vermutlich bewusst gewählt um die innere Gefühlslage des lyrischen Ichs zu beschreiben. Würde das Gedicht eine wunderbare, glückliche Liebe beschreiben, hätte die Geliebte wahrscheinlich an einer warmen Wiese gewohnt.
In der zweiten Strophe blickt das lyrische Ich noch einmal in die Vergangenheit: Es erklärt dem Leser wie es enttäuscht und verlassen worden war. Vers fünf wiederholt sich fast wörtlich in Vers sieben: „Sie hat mir Treu gebrochen“ und „Sie hat die Treu gebrochen“. Doch durch eine kleine inhaltliche Änderung in der Wiederholung bringt das lyrische Ich seine Trauer und besonders seine Enttäuschung dem Leser nahe. In Vers acht „sprang das Ringlein entzwei“. Das Ringlein kann als Metapher für die Liebe, aber auch für das Herz des lyrischen Ichs angesehen werden. Durch das Verb „sprang“ wird deutlich, dass das Ringlein nicht nur angebrochen ist, sondern in zwei Teile geteilt ist. Daraus kann man schließen, dass es nie wieder ganz sein wird und es deshalb keine Hoffnung auf Versöhnung oder einen Neuanfang gibt.
In Vers neun und zehn schreibt das lyrische Ich: „Ich möcht als Spielmann reisen weit in die Welt hinaus (…)“ Die beiden Verse sind ein Enjambement1 und sie zeigen, dass das lyrische Ich nicht mehr am Ort der Trauer und der Erinnerungen verweilen möchte. „Weit in die Welt (…)“ ist eine Alliteration2, die auf die Sehnsucht des lyrischen Ichs durch die Anlehnung an die Redewendung der „großen, weiten Welt“ aufmerksam macht. Die nächsten Verse „Und singen meine Weisen und gehn von Haus zu Haus“ sind ein Anapher3. Durch diese Anapher wird auf die Zeit hingewiesen, die hoffentlich schnell vergehen wird.
Auch in der vierten Strophe beschäftigt das lyrische Ich sich mit einer Sehnsucht, aber nicht mit dem Fernweh wie in Strophe drei, sondern mit der Sehnsucht nach dem Tod, nach Erlösung. Dies drückt es mit dem Enjambement „Ich möchte als Reiter fliegen wohl in die Blutge Schlacht“ (V.13/14) aus. Wirft man einen Blick zurück auf Vers neun, erkennt man, dass sowohl Vers neun als auch Vers 13 mit „Ich möchte als …“ anfangen. So wird klar, dass dem lyrischen Ich nach der Idee des Reisens noch eine andere Idee gekommen ist, nämlich die, sich in den Tod zu stürzen. Die nächsten beiden Verse stellen eine weitere Idee vor: das lyrische Ich will „um stille Feuer liegen im Feld bei dunkler Nacht“. Dies zeigt, dass er abgeschieden von der Außenwelt einfach nur liegen möchte, jederzeit bereit sich ins Feuer zu stürzen. Das Feuer symbolisiert zusätzlich die innere Zerrissenheit.
In der fünften Strophe vertieft das lyrische Ich die Idee des Todes weiter. Doch vorher wird es von dem Mühlrad in die Realität zurückgeholt „Ich hör das Mühlrad gehen“ (V.17). Da das Mühlrad auch schon im zweiten Vers vorgekommen ist, gibt es sich als Metapher für die Zeit zu erkennen: Die Zeit läuft weiter und lässt sich nicht anhalten, egal was man macht oder wie man fühlt, sie verhält sich wie ein Mühlrad.
Im nächsten Vers wird die Frage über die Zukunft des lyrischen Ichs noch einmal aufgeworfen „Ich weiß nicht, was ich will-“. In Vers 19 und 20 erfährt man dann, wie das lyrische Ich sich entscheiden wird: „Ich möcht am liebsten sterben dann wär’s auf einmal still“ zeigt erneut die starke Todessehnsucht. Man kann aber schließen dass, das lyrische Ich sich nicht in den Tod stürzen wird, weil es „Ich möcht am liebsten“ statt beispielsweise „ich will“ und den letzten Vers im Konjunktiv statt in Futur geschrieben hat.
Insgesamt drückt das Gedicht die letztendlich sowohl die Sehnsucht nach dem Tod als auch die Sehnsucht nach Liebe gut aus. Da keine anderen Personen in dem Gedicht genannt werden, kann davon ausgehen, dass niemand dem lyrischen Ich so nahe stand und dass es jetzt ganz allein ist.
Jeder hat wahrscheinlich schon einmal das Gefühl der Zurückweisung kennen gelernt, somit spricht das Gedicht uns alle an. Der Tod sollte da wirklich kein Ausweg sein, es gibt auch andere Möglichkeiten… Joseph von Eichendorff ist es gelungen ein wunderbares Gedicht zu schreiben, dass nie seine Aktualität verliert, denn die Liebe bleibt immer ein aktuelles Thema.
| 1 | Zeilensprünge. Ein Satz wird hier häufig gegen die Logik des Lesers mittendrin umgebrochen und auf zwei Verse verteilt. Je nach Kontext und Art der Umbrechung kann der Satz damit abgehackt (da man wegen der Unlogik zu Gedanken- und Sprechpausen gezwungen wird) oder auch temporeich wirken. |
| 2 | Bei der Alliteration beginnen mehrere Worte mit dem gleichen Buchstaben. Beispiel: „Milch macht müde Männer munter.“ |
| 3 | Wiederholung eines oder mehrerer Wörter an Satz-/Versanfängen. Beispiel: „Er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf“. |
