| 1 | 01 | Wie herrlich leuchtet |
|---|---|---|
| 02 | Mir die Natur! | |
| 03 | Wie glänzt die Sonne! | |
| 04 | Wie lacht die Flur! | |
| 2 | 05 | Es dringen Blüten |
| 06 | Aus jedem Zweig | |
| 07 | Und tausend Stimmen | |
| 08 | Aus dem Gesträuch | |
| 3 | 09 | Und Freud und Wonne |
| 10 | Aus jeder Brust. | |
| 11 | O Erd', o Sonne, | |
| 12 | O Glück, o Lust, | |
| 4 | 13 | O Lieb', o Liebe, |
| 14 | So golden schön | |
| 15 | Wie Morgenwolken | |
| 16 | Auf jenen Höhn, | |
| 5 | 17 | Du segnest herrlich |
| 18 | Das frische Feld - | |
| 19 | Im Blütendampfe | |
| 20 | Die volle Welt! | |
| 6 | 21 | O Mädchen, Mädchen, |
| 22 | Wie lieb' ich dich! | |
| 23 | Wie blinkt dein Auge, | |
| 24 | Wie liebst du mich! | |
| 7 | 25 | So liebt die Lerche |
| 26 | Gesang und Luft, | |
| 27 | Und Morgenblumen | |
| 28 | Den Himmelsduft, | |
| 8 | 29 | Wie ich dich liebe |
| 30 | Mit warmem Blut, | |
| 31 | Die du mir Jugend | |
| 32 | Und Freud und Mut | |
| 9 | 33 | Zu neuen Liedern |
| 34 | Und Tänzen gibst. | |
| 35 | Sei ewig glücklich, | |
| 36 | Wie du mich liebst. |
Der Sturm und Drang gilt als eine Epoche, bei der das Individuum und seine Gefühle in den Vordergrund gestellt werden. Dadurch widerspricht der Sturm und Drang der Aufklärung, die als zu verstand- und vernunftorientiert empfunden wurden. Diese Epoche, die vorwiegend durch Johann Gottfried von Herder angetrieben wurde, ist aber kein kompletter Gegensatz zu Immanuel Kants Aufklärung, sondern erweitert diese. Die Aufklärer versuchten das Wundersame und Verborgene in der Welt zu eliminieren und rational zu erklären. Dieser kalte Rationalismus war den Stürmern und Drängern verhasst. Sie stellten die Gefühle und Subjektivität an vorderster Stelle (Emotio statt Ratio), nichtsdestotrotz ließ man Platz, damit die Gefühle mit Vernunft und Verstand eine Einheit bilden konnten. Die Absichten beider Epochen-Vertreter waren durchaus ähnlich, da sie die absolutistische Herrschaftsformen und das adelige Leben ablehnten sowie die Gesellschaft, Kunst und Literatur modernisieren wollten.
Die Abwendung von der puren Aufklärung machte sich dadurch deutlich, dass man von den streng durchreglementierten Formen der Literatur absah und stattdessen künstlerische Freiheit gewährte. Zentrale Bedeutung in den Werken bekam meist das "Ich", welches man das Genie nannte und wodurch die Epoche auch als Geniezeit bezeichnet wird. Das Genie wurde zum Mittelpunkt ästhetischer Betrachtung erhoben, es schafft seine eigenen Regeln und Gesetze, strebt nach Freiheit und Selbstverwirklichung, ist kompromisslos und kämpft gegen die Wirklichkeit und Gesellschaft bzw. die Gesellschaftsnormen. Dabei agiert das Genie mit Herz und Gefühl und fühlt sich der schöpferischen Kraft der Natur verbunden. Das Genie, welcher als Held angesehen wurde, scheitert aber in aller Regel mit seinen Freiheitsbestrebungen. Es zerbricht an der Wirklichkeit, an den Normen, Moralvorstellungen und Zwängen der Gesellschaft. Nicht selten führt dieses Scheitern des "Heldes" beim Sturm und Drang zum Tod, denn da er keine Kompromisse schließen kann ist dies der einzige Ausweg an seinen Idealvorstellungen festzuhalten.
Ebenfalls recht wichtig beim Sturm und Drang ist die Natur. Alles Wahre, Gute, Schöne, Elementare und Göttliche wird in der Natur gesehen (Pantheismus). Das einfache Volk wird dabei eine größere Naturverbundenheit und damit eine größere Nähe zur Wahrheit und Echtheit zugesprochen als wohlhabende und adelige Menschen.
Der Sturm und Drang behandelt größtenteils Themen zu Liebe und Natur. Die wichtigste Gattung ist das Drama. Die jungen Dichter waren meist zwischen 20 und 30 Jahren alt und stammten vorwiegend aus dem (Klein-)Bürgertum, d.h. sie kamen nicht aus wohlhabenden Verhältnissen. Zu den wichtigsten Vertretern gehörten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Mit Goethes Italienreise und Schillers Kant-Studien beendeten beide die Epoche des Sturm und Drangs und wendeten sich der (Weimarer) Klassik zu.
Historischer Hintergrund | |||
| Politik und Wirtschaft | Jahr | Links | |
| Absolutismus | 1648-1789 |
|
|
Wolfgang von Goethe wurde als eins von sieben Kindern einer wohlhabenden und gebildeten Familie in Frankfurt geboren. Fünf seiner Geschwister starben. Da der Vater keine beruflichen Pflichten zu erfüllen hatte, unterrichtete er seinen Sohn.
Mit 16 Jahren zog Goethe aufgrund des Jura-Studiums, dass er auf Wunsch seines Vaters aufnahm, nach Leipzig. Nebenbei besuchte er philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen. Zudem beschäftigte er sich mit der Aufklärung und Empfindsamkeit und nahm Unterricht im Zeichnen. Wegen eines Blutsturzes unterbrach Goethe sein Studium 1768 und kurierte seine langwierige Krankheit in seiner Heimatstadt Frankfurt aus.
Nach der Genesung setzte er das Studium der Rechtswissenschaften in Straßburg fort, interessiert sich aber zunehmend auch für Chemie, Medizin, Theologie und Philosophie. Als er seine Promotion ablegt eröffnet Goethe eine Anwaltskanzlei und beginnt ein Praktikum am Reichskammergericht in Wezlar, zugleich wendet er sich der Dichtkunst zu. Am Reichskammergericht lernt er 1772 Charlotte Buff kennen, verliebt sich unglücklich in sie und wird von der verschmähten Liebe zu Die Leiden des jungen Werthers an inspiriert. Des Weiteren entstehen in der Zeit um 1771 und 1776 weitere Werke, die Goethe berühmt machten, z.B. die Hymnen Ganymed und Prometheus, sowie die Urfassungen von Faust und Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. Diese Schaffenszeit von Goethe wird oft dem Sturm und Drang zugeordnet.
1775 verlobt sich mit Lili Schönemann, was aber wenige Monate darauf wieder annuliert wird. Im gleichen Jahr wird Goethe von Herzog Karl August nach Weimar eingeladen, wird Beamter der Stadt Weimar und lernt Charlotte von Stein kennen. Die Herzogin Anna Amalia gelingt es viele bedeutende Schriftsteller nach Weimar zu locken und verschafft der Stadt eine literarischen Blütezeit, darunter auch Goethe. Goethe lernt durch das florierende literarische Leben in Weimar viele bedeutende Schriftsteller kennen. Ungefähr 1777 beendet seine Sturm-und-Drang-Zeit und beginnt eine neue Stilrichtung, die man heute als Weimarer Klassik bezeichnet. Diese Stilrichtung zeichnet sich bei Goethe dadurch aus, dass er von der antiken Philosophie des Humanismus geprägt wird. 1777 stirbt seine Schwester, 1782 der Vater. Aufgrund seiner naturwissenschaftlichen Kenntnisse kann Goethe seit 1784 auch als Entdecker des Zwischenkieferknochens beim Menschen gelten.
1786 begibt sich aufgrund der zunehmenden Belastungen durch seine beruflichen Verpflichtungen auf eine Erholungsreise nach Italien, wo er sich als Maler ausgibt und sich mit Malerei und Bildhauerei beschäftigt. 1786 lässt sich Goethe von seinen Verpflichtungen entbinden und kann sich nun mehr der Kunst und Literatur zuwenden. Er lernt seine Lebensgefährtin Christiane Vulpus kennen, mit der er 1789 einen Sohn bekommt. Es kommt zudem zum ersten Kontakt mit Friedrich Schiller, der zu seinem besten Freund wurde und mit dem er im kollegialen literarischen Wettstreit die Weimarer Klassik entscheidend prägte. 1789 bricht die französische Revolution aus, die von Goethe abgelehnt wird. 1792 wird er Augenzeige des 1. Koalitionskrieges zwischen Preußen und Österreich gegen Frankreich, sowie der Belagerung von Mainz 1793.
Die Zeit von 1794 und dem Tod Schillers 1804 ist eine sehr fruchtbare Schaffenszeit zwischen den beiden Schriftstellern. Es werden zahlreiche Balladen veröffentlicht. Beide arbeiten zusammen an den Zeitschriften Die Horen und Propyläen und sie verfassen theoretische Abhandlungen über Dichtung. Schiller drängt Goethe auch die Arbeit an Faust zu beenden. 1806 veröffentlicht Goethe Faust I.
Nach dem Tod von Schiller richtet sich die Aufmerksamkeit Goethes mehr auf die Romantik und sich mit dem Mittelalter und Folklore zu beschäftigen. Seine Inspiratoren sind nun Achim von Arnim und Clemens Brentano. Die Mutter stirbt 1808. Beim Erfurter Fürstenkongress 1809 begegnet Goethe Napoleon I und 1812 Ludwig van Beethoven. Um diese Zeit arbeitet Goethe an Werken wie Farbenlehre und der Autobiografie Dichtung und Wahrheit 1, 2 und 3.
Ab 1816 zieht sich Goethe aus dem gesellschaftlichen Leben von Weimar zurück. Er wendet sich seinen Werken zu und arbeitet an West-östliche Divan, Wilhelm Meisters Wanderjahren und Faust II, Dichtung und Wahrheit 4. 1827 stirbt Charlotte von Stein und 1830 Goethes Sohn. Schließlich stirbt Goethe 1832 an den Folgen einer Lungenentzündung; er wird neben Schiller in der Weimarer Fürstengruft beigesetzt.
Interpretation verkaufen?
Weitere Informationen
Das Gedicht „Maifest“ von Johann Wolfgang Goethe, das 1775 geschrieben wurde und den „Höhepunkt der Sensenheimer Lyrik“ darstellt, beschreibt autobiographisch Goethes Liebe zu einem Mädchen, durch welches Natur und Seele, sowie Landschaft und Mensch für ihn zu einer Einheit werden.
Das Gedicht hat neun kurze Strophen, zu je 4 Versen.
Zu Anfang (Strophe 1-3) lässt Goethe das Lyrische Ich die Natur erleben und sich an ihr erfreuen. Diese wird sehr positiv aufgenommen, sie „leuchtet“ um das Ich herum.
In der 4. und 5. Strophe wird beschrieben, als wie „herrlich“ dem Lyrischen Ich die Liebe begegnet, wie gütig und „schön“ sie ist.
Erst ab der 6. Strophe wird deutlich, dass ein Mädchen der Grund der Euphorie des Ichs ist. Es betont mehrmals die gegenseitige Liebe, die es erneut mit der Natur vergleicht. Sie macht ihn fröhlich und abenteuerlustig, es hat Mut und Lust Neues zu erleben.
Zum Abschluss, in den letzten beiden Versen, wünscht das Ich dem Mädchen in dieser Liebe zu ihm ewig glücklich zu sein.
In fast jeder Strophe gibt es zwei Verse, die sich reimen, jeweils der zweite und vierte. Dies ist bei acht der neun Strophen der Fall, ebenso ist in jeder von ihnen die Liebe selbst, oder zumindest eine Andeutung auf sie zu finden. Einzig die 2. Strophe, die nur die Natur beschreibt, enthält keinen Reim.
Zudem gibt es kein eindeutiges Metrum, was zu den immer wieder wechselnden Blickrichtungen des Ichs passt, und außerdem keinen Gleichmut aufkommen lässt, der diese Euphorie der Liebe zerstören könnte.
Eben diese Euphorie, bald schon Ekstase, die das Lyrische Ich erlebt, unterstreicht Goethe durch zahlreiche Stilmittel, die das absolute Hochgefühl noch verstärken.
So zeigen zahlreiche Vergleiche den vom Ich gemachten Bezug der Liebe zur Natur, wie z.B. Vers 14-15 „so golden schön wie Morgenwolken“ sei die Liebe selbst, oder seine Liebe zum Mädchen so, „wie eine Lerche Gesang und Luft“ oder „Morgenblumen den Himmelsduft lieben (Vers 25-28). Die Ellipse1 in Vers 27-28, die Auslassung des Prädikats „lieben“, zeigt die schnellen Gedankensprünge des Ichs, alles ist voll von Liebe, alles der Natur lässt sich mit der Liebe vergleichen.
Weiteren Bezug zwischen Liebe und Natur stellt der viel verwendete Parallelismus her. Zu finden ist er in den Versen 3-4, 11-13 und 21.
Während zu Anfang die Natur beschrieben wird („Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur!“), so verschiebt sich die Aufmerksamkeit immer weiter zur Liebe hin („O Erd, o Sonne! O Glück, o Lust! O Lieb’, o Liebe“), bis schließlich in Vers 21 erstmals vom Mädchen, dem Auslöser seiner Gefühle, die Rede ist („O Mädchen, Mädchen“).
An diesen Bezügen sieht man mit aller Deutlichkeit, dass das Ich die Natur mit Augen der Liebe betrachtet.
Die Natur ist nicht einfach nur da und existiert, nein sie wird geradezu lebendig in den Gedanken des Ichs. Unterstützend wirkt dabei die Personifikation2 „Wie lacht die Flur!“ (Vers 4), die eine fröhliche, bunte Atmosphäre mit pulsierendem Leben schafft.
Auch die auf den ersten Blick nüchterne Beschreibung der Natur in der 2. Strophe enthält Stilmittel die einen besonderen Reiz schaffen. So zeigt die Hyperbel3 „tausend Stimmen“ (Vers 7) wie das Ich berauscht von der Liebe die Dinge übertreibt und „aufbauscht“.
Die Ellipse in Vers 7-8 (Prädikat fehlt), ist zugleich ein Zeugma. Stimmen dringen aus den Sträuchern, doch dass Blüten aus den Zweigen „dringen“, gibt eher das Gefühl von Plötzlichkeit, Unbeherrschtheit und Prickeln der Liebe auf der Haut, wie Brausepulver auf der Zunge. Dieser Eindruck wird durch ein weiteres Zeugma, in Verbindung mit einer Ellipse, in Vers 9-10 „Und Freud und Wonne Aus jeder Brust“, noch verstärkt. Wüst und unbeherrscht wollen „Freud und Wonne“ hinaus, hinausgeschrieen werden, so sehr erfüllen sie „jede Brust“, nicht nur die des Lyrischen Ichs. Auch dies ist eine Hyperbel.
Seinen Höhepunkt findet die Euphorie in einem parallel gebauten anaphorischen Trikolon, welches zugleich eine Klimax4 ist (O Erd, o Sonne! O Glück, o Lust! O Lieb’, o Liebe, Vers 11-13). „Erde“ und „Sonne“ sind mit den Händen zu fassen und mit den Augen zu sehen, wohingegen sich „Glück“ und „Lust“ nur erfahren, fühlen lassen.
Krönung des Fühlens ist die Liebe, das wahrlich höchste und reinste Gefühl, die in der Geminatio („O Lieb’, o Liebe“) ihren bald schon pathetischen Abschluss findet.
Interessant zu betrachten ist an dieser Stelle auch die Interpunktion, den gewöhnlichen Satzzeichen Punkt und Komma (Verse 5-10) folgen nun Ausrufe, die inhaltlich, wie eben gesagt, in der Liebe gipfeln. Doch kaum bei der Liebe angekommen, folgt ein Komma, der Denkprozess des Lyrischen Ichs läuft weiter, es schwelgt nun in Beschreibungen der Liebe.
Die Liebe scheint dem Ich aber nicht nur ausnehmend wundervoll zu sein, sondern sogar einer Gottheit gleichend. Dadurch, dass das Ich die Liebe „herrlich das frische Feld segnen lässt“ (cf. Vers 17-18), wird klar, welche Macht und gar göttlichen Attribute der Liebe zugeschrieben werden.
Das Ich ist so ergriffen, dass bekannte Worte nicht mehr ausreichen, um das Wahrgenommene zu beschrieben. Der Neologismus in Vers 19 „Blütendampfe“ scheint mir eine Metapher für einen allzu berauschenden Duft zu sein. Die Luft ist so stark von süßer, blumiger Liebe erfüllt, dass sie an Festigkeit zunimmt, auf das Ich wie Dampf wirkt, es vollkommen erfüllt.
Vers 20 „Die volle Welt“ zeigt, dass erst durch die Liebe die Welt komplett wird.
„Voll“ an Liebe, gedanklich taumelnd, kommt dem Ich, in Vers 21 nun, das Mädchen in den Sinn, der Grund aller Glückseligkeit.
Es beteuert, ruft aus, wie sehr es sie liebt. Auffallend sind hier zwei parallel gebaute Inversionen5 (Vers 22 29; 24 36) „Wie lieb’ ich dich – Wie ich dich liebe“ und „Wie liebst du mich – Wie du mich liebst“. Größte Aufmerksamkeit wird auf diesen Aspekt, die Liebe gelegt, was auch nur angemessen ist, da dies die Hauptaussage des Gedichts ist. Das Lyrische Ich liebt das Mädchen, das Mädchen das Ich.
Während das Mädchen ewig glücklich sein soll in dieser Liebe (Vers 35-36), ist das Ich vor allem erfreut über die Leidenschaft, die das Mädchen in ihm weckt.
Denn dafür steht die Metapher in Vers 30 „Mit warmem Blut“, für die Lust am Leben, die im Ich erblüht, eben so, wie die Natur erblüht im Frühling.
Durch das Mädchen bekommt das Ich neue Lust am und auf das Leben, die es künstlerisch inspiriert (Vers 31-34 „Die du mir Jugend und Freud und Mut Zu neuen Liedern Und Tänzen gibst!“).
Auch hier ist die Stimmung fröhlich, der Polysyndetische Satzbau der Verse 31-32 belebt und beschwingt, macht dem Leser selbst Lust, diese Lieder und Tänze zu erleben.
Zu diesem Aspekt der Lebensfreude passt auch der Titel „Maifest“ herausragend. Im Mai pulsiert das Leben, die Natur ist wieder grün, alle Welt freut sich über die helle Zeit des Jahres. Die Natur mit ihren Bewohnern feiert ein wahres Fest.
Und auch das Lyrische Ich und das Mädchen können feiern, ihre Liebe steht im Mai, immer größer wird die Leidenschaft. Auch diese beiden können ein Fest feiern, ihre Liebe zueinander, so wie auch wir rauschend den 1. Mai feiern!
Das Gedicht beschreibt also einen kurzen, ausschnittartig erfassten Blick auf die Liebe aus Sicht eines Ver- und Geliebten, in dem sowohl die Liebe, als auch die gegebene Situation als vollkommen erscheinen.
Betrachtet man jedoch die Entstehungsgrundlage des Gedichts, denn Goethe erlebte diese beschriebene Liebe am eigenen Leibe, so erscheint das Gedicht in einem ganz anderen Licht, und macht eher betrübt.
Wie schon zuvor angedacht, nimmt Goethe diese Liebe mit Leichtigkeit, genießt sie, misst ihr aber keine tiefere Bedeutung bei.
Hilde Spiel bezeichnet sie gar als „heftige, aber keinesfalls dauernde Neigung“, nicht einmal als Liebe, diese Beziehung des Straßburger Studenten Goethe zu der Pastorentochter Friederike Brion.
Und tatsächlich verläuft die Geschichte der beiden wie gedacht weiter, Goethe geht seinen Weg als Lebemann, während Friederike einsam in ihrer Liebe zu ihm alt wird.
Abschließend lässt sich also sagen, dass das Gedicht „Maifest“ ein kurzer Auszug aus explodierender leidenschaftlicher Liebe, und in sich wunderschön ist.
Perfekt kombinierte Stilmittel ergänzen sich mit dem Inhalt zu einem Gebilde wahrer Dichtkunst.
Schade jedoch ist es, dass dieser Eindruck durch das Erleben der Wahrheit hinter, oder vielmehr um die Zeilen herum, zerstört wird, da diese Liebe keine tief empfundene, wahre Liebe ist, wie sie es durchaus zu sein scheint, sondern nur eine kurze, heftige Leidenschaft.
Ich stimme Hilde Spiel zu in ihrem Wunsch „all das und mehr, was er später darüber erfuhr, auslöschen zu können und stattdessen noch einmal den Rausch erleben zu können, in den es ihn zuvor versetzte“.
| 1 | Auslassung von Wörtern. |
| 2 | Bei der Personifikation wird ein lebloser oder ein abstrakter Begriff, oder aber auch ein Tier, „vermenschlicht“. Personifikationen treten z.B. immer in Fabeln auf (da Tiere wie Menschen handeln). Anderes Beispiel: Der Mond schaut zornig drein; der Mond nimmt hier also charakteristische menschliche Züge an. |
| 3 | Übertreibung |
| 4 | (Dreigliedrige) Steigerung. |
| 5 | Umstellung des Satzbaus. |
![]() |
Hilde Spiel: „Das kosmische der Liebe“; in „Interpretation zu Mailied, Hrsg.: Reich-Ranicki, 1000 Deutsche Gedichte und ihre Interpretationen, 3. Auflage ffm/Leipzig 1996, Seite 33-35 |
