| 1 | 01 | Ich muß hinaus, ich muß zu dir, |
|---|---|---|
| 02 | Ich muß es selbst dir sagen: | |
| 03 | Du bist mein Frühling, du nur mir | |
| 04 | In diesen lichten Tagen. | |
| 2 | 05 | Ich will die Rosen nicht mehr sehn, |
| 06 | Nicht mehr die grünen Matten; | |
| 07 | Ich will nicht mehr zu Walde gehn | |
| 08 | Nach Duft und Klang und Schatten. | |
| 3 | 09 | Ich will nicht mehr der Lüfte Zug, |
| 10 | Nicht mehr der Wellen Rauschen, | |
| 11 | Ich will nicht mehr der Vögel Flug | |
| 12 | Und ihrem Liede lauschen - | |
| 4 | 13 | Ich will hinaus, ich will zu dir, |
| 14 | Ich will es selbst dir sagen: | |
| 15 | Du bist mein Frühling, du nur mir | |
| 16 | In diesen lichten Tagen! |
Die Epoche, die man heute gemeinhin als Vormärz/Biedermeier bezeichnet, ist eigentlich eine Zeit von unterschiedlichen Strömungen, wobei die Anhänger des Vormärzes und die des Biedermeiers am deutlichsten herausstechen. Den Beginn dieser Epoche markiert der Wiener Kongress 1815, als die europäischen Mächte unter Führung von Fürst Metternich versuchten die politischen Umwälzungen durch die französische Revolution und Napoléon Bonaparte wieder rückgängig zu machen. Diese Restauration diente nicht nur der Herstellung von Frieden, sondern auch der Wiederherstellung der Monarchie und der Wiedereinsetzung der alten Dynastien wie zu Beginn der französischen Revolution 1789. Als Ende der Epoche wird meist die Märzrevolution 1848 gesehen, bei denen in vielen europäischen Staaten bürgerlich-demokratische Bewegungen gegen die herrschenden Mächte der Restauration aufbegehrten. In Deutschland wurde diese Revolution durch eine vorangegangene Missernte, Inflation und Hungersnöte angeheizt.
In der Restaurationszeit haben die Künstler verschiedene Strategien entwickelt, mit der Restauration der alten Ordnung fertig zu werden. Einige zogen sich ins Private und Idyllische zurück - der Biedermeier. Dem Biedermeier werden dabei häufig auch konservative Werte zugerechnet. Der Name "Biedermeier" geht auf eine fiktive Figur von Ludwig Eichrodt und der Adolf Kussmaul zurück, die den Biedermann als treuherzigen, aber spießigen Dorflehrer aus dem Schwabenland karikierten.
Weniger resignativ gegenüber der Restauration waren die Anhänger des Vormärzes, die auf politische Veränderung drängten. Die wichtigste Gruppe von Autoren war das Junge Deutschland, deren Veröffentlichungen zusammen mit denen von Heinrich Heine verboten wurde. Die Vormärz-Literaten wandten sich dabei den klassischen Formen ab und versuchten durch Darstellung der gesellschaftlichen Realität das politische Bewusstsein der Bürger zu wecken. Als bedeutendste Autoren der Epoche gelten neben Heinrich Heine auch weitere wie August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Ludwig Börne, Ferdinand Freiligrath oder Georg Weerth.
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In dem Gedicht „Liebe und Frühling“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben geht es dem lyrischen Ich um seine Angebetete, welche er für seinen Frühling hält.
Das Gedicht ist in 4 Strophen à 4 Verse unterteilt und folgt dem jambischen Metrum. Das Reimschema ist ein einfacher Kreuzreim, wobei die erste Strophe und die letzte Strophe die gleichen Reimwörter benutzen. Auffallend ist auch die Abwechslung von betonten und unbetonten Kadenzen1. Dieses Gedicht macht einen sehr geordneten und strukturierten Eindruck.
Die erste Strophe fängt schon ausdrucksstark an, das lyrische Ich betont es „muss hinaus“, es „muss zu dir“ (V 1). Es wird also schon ganz am Anfang des Gedichts die Abhängigkeit des lyrischen Ichs von seiner Angebeteten klar. Er möchte seiner Angebeteten etwas sagen; auch hier in Vers 2 wird sein Drang durch das Verb „müssen“ verstärkt. Im Gegensatz zu vielen Gedichten aus der Romantik, wo öfters die Stimmung der Nacht benutz wird, wird hier deutlich vom hellen Tag geredet. (V 4) Er betitelt seine Angebetete als sein Frühling, dabei wird ausdrücklich festgestellt, dass sie nur sein Frühling ist: „ …, du nur mir“ (V 3). Dies kann bedeuten, dass er entweder schon glücklich mit ihr zusammen ist, oder, dass er quasi Besitzanspruch anmeldet. Es wird auf jeden Fall nicht ersichtlich ob sie eine glückliche Beziehung haben oder ob er sie noch unbedingt erobern will. Was sich allerdings zeigt, ist, dass sie sein „Frühling“ ist was bedeutet, dass sie sein Leben erhellt bzw. erblühen lässt, einen Sinn gibt.
Es folgt in der zweiten Strophe eine Enumeration verschiedener Eindrücke aus der Natur. Das lyrische Ich schildert, dass es die ganzen Sinneseindrücke der Natur nicht mehr erleben will. Er kann sich nicht mehr an Blumen, Gras oder am Wald erfreuen, da ja seine Geliebte viel mehr Freude bzw. „Frühling“ in ihm erweckt. Auch die dritte Strophe folgt der gleichen Struktur wie die vorherige. Es gibt wieder einer Enumeration verschiedener Dinge aus der Natur, welche das lyrische Ich für sich nicht mehr erleben will. Er kann sich nicht mehr an Luft, Wellen and Vögeln und deren Lieder erfreuen. Um diese zwei Strophen einheitlich und vom Inhalt ähnlich darzustellen benutzt der Autor hier Parallel Strukturen, viele Sätze ähneln grammatikalisch den anderen.
In der letzten Strophe des Gedichts folgt eine Repetition der gesamten ersten Strophe. Der einzige Unterschied ist, dass diesmal das ausdrucksstarke „muss“ durch ein „will“ ersetzt worden ist. Man merkt also deutlich, dass das lyrische Ich von seiner Besessenheit abgekommen ist und die Benutzung des Verbs „wollen“ lässt die Angelegenheit jetzt in das Licht eines verschwommenen Wunsches treten. Am Anfang war er voller Überzeugung, zeigt wie sehr er zu seiner Angebeteten muss, doch nun ist es nur noch ein Wunsch. Es ist also hier anzunehmen, dass er mit seiner Angebeteten nicht glücklich Zusammen ist, denn sonst würde dies hier nicht als Wunsch geäußert.
Das Gedicht handelt also von der Liebe des lyrischen Ichs zu einer unbekannten Frau. Diese Frau ist für ihn sein „Frühling“ also sein Lebenssinn, was alles in ihm erweckt und aufblühen lässt. Er ist fest entschlossen seine Angebetete zu erobern, denn nur sie kann ihn erfreuen, sonst nichts auf der Welt. Doch im Ende wird er unsicher und weiß nicht so recht ob er sich trauen soll ihr seine Liebe zu gestehen.
Die vielen „Ich“ am Satzanfang sind Anaphern2, welche eine zentralistische Ausrichtung auf das lyrische Ich bewirken. Es ist klar, dass es sich hier um die Sorgen und Gedanken des lyrischen Ichs handelt. Die klare Strukturierung sowie die Repetition einzelner Wörter (muss, will) und der ganzen ersten Strophe führt zu einem geordneten und überdachten Eindruck. Das lyrische Ich weiß ganz genau was es will und formuliert seine Gedanken mit sehr einfacher, aber ausdrucksstarker Sprache.
4ac3f6c4| 1 | Männliche (stumpfe) Reime (einsilbig): Not/Tod, Mut/Gut; Weibliche (klingende) Reime (zweisilbig mit Betonung auf der vorletzten Silbe): singen/klingen, sagen/fragen. |
| 2 | Wiederholung eines oder mehrerer Wörter an Satz-/Versanfängen. Beispiel: „Er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf“. |
