| 1 | 01 | Wir Bürgermeister und Senat, |
|---|---|---|
| 02 | Wir haben folgendes Mandat | |
| 03 | Stadtväterlichst an alle Klassen | |
| 04 | Der treuen Bürgerschaft erlassen. | |
| 2 | 05 | Ausländer, Fremde, sind es meist, |
| 06 | Die unter uns gesät den Geist | |
| 07 | Der Rebellion. Dergleichen Sünder, | |
| 08 | Gottlob! sind selten Landeskinder. | |
| 3 | 09 | Auch Gottesleugner sind es meist; |
| 10 | Wer sich von seinem Gotte reißt, | |
| 11 | Wird endlich auch abtrünnig werden | |
| 12 | Von seinen irdischen Behörden. | |
| 4 | 13 | Der Obrigkeit gehorchen, ist |
| 14 | Die erste Pflicht für Jud und Christ. | |
| 15 | Es schließe jeder seine Bude | |
| 16 | Sobald es dunkelt, Christ und Jude. | |
| 5 | 17 | Wo ihrer drei beisammen stehn, |
| 18 | Da soll man auseinander gehn. | |
| 19 | Des Nachts soll niemand auf den Gassen | |
| 20 | Sich ohne Leuchte sehen lassen. | |
| 6 | 21 | Es liefre seine Waffen aus |
| 22 | Ein jeder in dem Gildenhaus; | |
| 23 | Auch Munition von jeder Sorte | |
| 24 | Wird deponiert am selben Orte. | |
| 7 | 25 | Wer auf der Straße räsoniert, |
| 26 | Wird unverzüglich füsiliert; | |
| 27 | Das Räsonieren durch Gebärden | |
| 28 | Soll gleichfalls hart bestrafet werden. | |
| 8 | 29 | Vertrauet Eurem Magistrat, |
| 30 | Der fromm und liebend schützt den Staat | |
| 31 | Durch huldreich hochwohlweises Walten; | |
| 32 | Euch ziemt es, stets das Maul zu halten. |
Die Epoche, die man heute gemeinhin als Vormärz/Biedermeier bezeichnet, ist eigentlich eine Zeit von unterschiedlichen Strömungen, wobei die Anhänger des Vormärzes und die des Biedermeiers am deutlichsten herausstechen. Den Beginn dieser Epoche markiert der Wiener Kongress 1815, als die europäischen Mächte unter Führung von Fürst Metternich versuchten die politischen Umwälzungen durch die französische Revolution und Napoléon Bonaparte wieder rückgängig zu machen. Diese Restauration diente nicht nur der Herstellung von Frieden, sondern auch der Wiederherstellung der Monarchie und der Wiedereinsetzung der alten Dynastien wie zu Beginn der französischen Revolution 1789. Als Ende der Epoche wird meist die Märzrevolution 1848 gesehen, bei denen in vielen europäischen Staaten bürgerlich-demokratische Bewegungen gegen die herrschenden Mächte der Restauration aufbegehrten. In Deutschland wurde diese Revolution durch eine vorangegangene Missernte, Inflation und Hungersnöte angeheizt.
In der Restaurationszeit haben die Künstler verschiedene Strategien entwickelt, mit der Restauration der alten Ordnung fertig zu werden. Einige zogen sich ins Private und Idyllische zurück - der Biedermeier. Dem Biedermeier werden dabei häufig auch konservative Werte zugerechnet. Der Name "Biedermeier" geht auf eine fiktive Figur von Ludwig Eichrodt und der Adolf Kussmaul zurück, die den Biedermann als treuherzigen, aber spießigen Dorflehrer aus dem Schwabenland karikierten.
Weniger resignativ gegenüber der Restauration waren die Anhänger des Vormärzes, die auf politische Veränderung drängten. Die wichtigste Gruppe von Autoren war das Junge Deutschland, deren Veröffentlichungen zusammen mit denen von Heinrich Heine verboten wurde. Die Vormärz-Literaten wandten sich dabei den klassischen Formen ab und versuchten durch Darstellung der gesellschaftlichen Realität das politische Bewusstsein der Bürger zu wecken. Als bedeutendste Autoren der Epoche gelten neben Heinrich Heine auch weitere wie August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Ludwig Börne, Ferdinand Freiligrath oder Georg Weerth.
Heine wurde 1797 in Düsseldorf geboren und war Sohn eines Kaufmanns. 1807 besucht er das Düsseldorfer Lyzeum und lernt dort, da Deutschland unter französischer Herrschaft steht, die französische Sprache und Literatur kennen. Heine wird an der Schule mit den Ideen der Aufklärung konfrontiert.
1811 erobert Napoleon Düsseldorf, Heine verehrt Napoleon da er den Vorläufer des bürgerlichen Gesetzbuch einführte (Code Zivil).
Heine verlässt das Lyzeum 1814 ohne Abschluss, um auf die Handelsschule zu wechseln. Er soll wie sein Vater Kaufmann werden, bricht die Lehre zum Bankkaufmann allerdings ab und beschäftigt sich lieber mit Gedichten.
Auch wenn das Interesse an der Rechtswissenschaft nicht viel größer als an der Kaufmannslehre ist, nimmt Heine 1819 ein Jurastudium in Bonn auf, welches von seinem wohlhabenden Onkel finanziert wird. Statt zu juristischen Vorlesungen zu gehen, wohnt er den Vorträgen der Literaturhistoriker und Philosophen Schlegel und Hegel bei. Er wechselt später auf die Universitäten Göttingen und Berlin. Durch das Studium kommt Heine mit den freiheitlich-revolutionären Ideen der Studentenverbindungen in Berührung.
1822 schreibt er sein erstes Buch namens Gedichte und lässt dem von ihm verehrten Goethe ein Exemplar zukommen, er erhält aber keine Reaktion. In Berlin erscheinen 1823 seine ersten Tragödien, die aber erfolglos blieben.
Da Heine Jude ist und er deswegen diskriminiert wird und ihm der Staatsdienst als Jurist verwehrt bleibt, konvertiert er 1825 zum evangelischen Glauben. Er promoviert zum Dr. jur.
Den ersten Erfolg hatte Heine mit dem Reisebericht Harzreise 1826. Ein Jahr darauf erscheint der Lyrikband mit romantischen Liebesgedichten Buch der Lieder.
1831 geht Heine ins Pariser Exil, nachdem er wegen seiner politischen Ansichten in Deutschland zunehmend angefeindet wird und seine Schriften in Preußen verboten werden.
1833 bricht bei Heine vermutl. Syphilis oder Multiple Sklerose aus, er hat mit Lähmungserscheinungen, Kopfschmerzattacken und Sehschwäche zu kämpfen. Heine reist nochmal nach Hamburg und verfasst Deutschland ein Wintermärchen und lernt Karl Marx kennen, bevor er 1856 in Paris stirbt.
Heine gilt als Romantiker, der aber gleichzeitig über die Romantik spottet und sie überwindet. Durch ihn wurde der Reisebericht und das Feuilleton bekannt. Er selbst machte sich einen Namen als politischer kritischer Journalist, Satiriker und Polemiker.
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Krähwinkel ist ein fiktiver Ort, der zum ersten Mal in einer Satire von Jean Paul im Jahr 1801 auftauchte. Auch August von Kotzebue verwendete diesen Ort 1803 und 1809 in zwei seiner Stücke.
Krähwinkel gilt als eine zutiefst spießbürgerliche Kleinstadt und wird manchmal als Vergleich herangezogen, um zu verdeutlichen, dass man einen Ort für ein langweiliges, spießiges und rückständiges Provinzstädchen hält.
Heine verdeutlicht in seinem Gedicht, dass Deutschland in seinen Augen genauso wie Krähwinkel ein verschlafenes Nest ist, dass sich bereitwillig alles von den Herrschenden diktieren lässt und keinerlei Ambitionen zur Revolution hat.
In dem Gedicht „Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen” von Heinrich Heine geht es um die scharfe Kritik Heines an den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen in Deutschland. Dabei gibt die Regierung Anweisungen an das Volk, indem sie darstellt, wie es sich zu verhalten hat.
Das Gedicht beinhaltet acht Strophen mit jeweils vier Versen. Das Reimschema lautet durchgehend aabb. Dementsprechend besteht das Gedicht somit aus Paarreimen. Hinsichtlich der Metrik ist ein vierhebiger Jambus vorzufinden.
Beim Subsummieren des Gedichts wird deutlich, dass man es in drei Sinnesabschnitte unterteilen. In dem ersten Abschnitt, der sich von Vers 1 bis 12 erstreckt, stellt die Regierung klar heraus, welche Personengruppen von dem neuerlassenen Mandat der Regierung betroffen sein sollen.
Der zweite Abschnitt (Vers 13 bis 24) beinhaltet die Anweisungen dieser Regierung, die in Aufforderungen münden. Der Abschnitt von Vers 25 bis Ende handelt von den Folgen, die die Bevölkerung zu erwarten hat, wenn sie den Anweisungen nicht folgt.
Direkt zu Beginn des Gedichts erkennt man sofort, wer Heines Ansicht nach der eigentliche Verfasser des Textes sein soll. Demnach sind es der Bürgermeister und der Senat, die sich mit einer Art Rede an das Volk richten. Sie beginnen mit einer Verkündigung in der ersten Person Plural, indem sie klarstellen, dass das folgende Mandat an die Kassen der oberen Bürgerschaft erlassen wurde (Vgl. Verse 1-4). Dass gerade diese Regierung eine zentrale Rolle spielt, zeigt die Wiederholung des Worts „Wir” in der nächsten Zeile, die zugleich eine Anapher1 darstellt.
Die Regierung der Stadt stellt den Bürgern in den nächsten beiden Strophen (Vers 5 bis 12) ihre Problemsituation dar. Sie beschwert sich über die Aufständischen, die nach Veränderung streben. Mit der Metapher in Vers 6 wird bildhaft verdeutlicht, dass diese Einstellung langsam auch bei der breiten Volksmasse durch Ausländer, Fremde und Gottesleugner verbreitet wird. Denn diese „sähen den Geist der Rebellion”. Anscheinend versucht die Regierung den Widerstand im frühen Stadium zu verhindern.
Heine stellt in diesen beiden Strophen noch einmal klar heraus, wer die „Unruhestifter” der damaligen Zeit für die Regierung waren. Zum Beispiel sind es Gottesleugner, die keinen Glauben haben und deshalb schon gar nicht zum Staat Vertrauen fänden (Vgl. Verse 11/12).
In den weiteren vier Strophen werden Maßnahmen beschrieben, die die Rebellion vorbeugen sollen. Die Aussage in Vers 13 verdeutlicht, dass die höchste Pflicht des Volkes der Obrigkeit zu gehorchen darstellt: Zusätzlich soll man seine Waffen und jegliche Munition ausliefern, damit bloß kein Aufstand zustande kommt: Durch diese Anweisungen und den verwendeten Imperativen wird das Volk gezwungen, sich so zu verhalten, wie es die Regierung will. Heine macht die Unterdrückung des Volkes in der siebten Strophe (Vers 25-29) richtig deutlich: Selbst das Räsonieren sei dem Volk nicht erlaubt. Jegliche Meinungsäußerung werde mit dem Tod bestraft. Mit der Aussage „das Räsonieren durch Gebärden soll gleichfalls bestraft werden” wird verdeutlicht, dass das Verhalten der Bürger bis ins kleinste Detail beobachtet wird. Denn sogar die Gebärdensprache wird wahrgenommen.
Durch diese Übertreibung zeigt Heine, wie überzogen die Gesetze des Senats und des Bürgermeisters sind. Das Zitat verdeutlicht zudem die großen Gefühlswellen des Volkes, dem keine Freiheit für Entfaltung gegeben wird. Offensichtlich hat der Staat insgeheim auch Angst vor dem Volk, das nach der Zeit der Aufklärung seine eigene Situation zu hinterfragen beginnt.
In der letzten Strophe wird indirekt der gesamte Inhalt des Gedichtes durch einen Appell zusammengefasst. Heine benutzt dafür das für ihn typische Stilmittel der Ironie. Während in der vorherigen Strophe im Falle einer Kritik am Staat das Volk noch umgebracht werden soll, „schütze das Magistrat fromm und lebend den Staat” (Vers 30). Das wahre Verhalten der Regierung ist nur schwer mir der eigenen Ansicht der Regierung zu verbinden. Der klare Widerspruch wird zusätzlich in den letzten beiden Zeilen des Gedichts deutlich, als die Regierung ihr wahres Gesicht zeigt. Sprach die Regierung in Zusammenhang mit ihrer Arbeit von „huldreich hochwohlweises Walten” (Vers 31), zwingt sie in dem nächsten und letzten Vers das Volk mit aggressivem Wortschatz, bloß nichts zu sagen. Dies verdeutlicht vor allem der vulgäre Ausdruck „das Maul zu halten” (Vgl. Vers 32). Somit besitzt das Volk keine Rechte. Im Ganzen erinnert die damalige Lage stark an die Regierungsform der „Diktatur”. Mit dem einzigen Unterschied, dass es sich hierbei nicht um eine einzelne Person handelt, die herrscht.
Die Merkmale wie das Verbot jeglicher Rechte für das Volk oder das blutige Niederschlagen der Aufständischen lassen offensichtlich auf eine Unterdrückung des Volkes durch die Regierung schließen.
Betrachtet man die Überschrift des Gedichtes, so stellt sich heraus, dass es sich hierbei um Erinnerungen handelt. Es sind vermutlich Heines Erinnerungen an das Deutschland, das er verlassen hat. Indirekt zählt er mit dem Gedicht die wichtigen Gründe wie fehlende Meinungs- und Pressefreiheit auf, die ihn zum Auswandern ins Exil gezwungen haben. Der imaginäre Ort „Krähwinkel” steht demnach indirekt für Deutschland, da man die Situation in dem Gedicht problemlos auf die damaligen zersplitterten Kleinstaaten übertragen kann. Heine benennt die gesellschaftlich und politisch ungerechte Lage in Deutschland somit als Schreckenstage. Diese andauernden Tage sind weiterhin der Grund dafür, dass für Heine immer noch keine Aussicht nach Rückkehr nach Deutschland besteht.
| 1 | Wiederholung eines oder mehrerer Wörter an Satz-/Versanfängen. Beispiel: „Er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf“. |
