| 1 | 01 | Es sang vor langen Jahren |
|---|---|---|
| 02 | Wohl auch die Nachtigall, | |
| 03 | Das war wohl süßer Schall, | |
| 04 | Da wir zusammen waren. | |
| 2 | 05 | Ich sing' und kann nicht weinen, |
| 06 | Und spinne so allein | |
| 07 | Den Faden klar und rein | |
| 08 | So lang der Mond wird scheinen. | |
| 3 | 09 | Als wir zusammen waren |
| 10 | Da sang die Nachtigall | |
| 11 | Nun mahnet mich ihr Schall | |
| 12 | Daß du von mir gefahren. | |
| 4 | 13 | So oft der Mond mag scheinen, |
| 14 | Denk' ich wohl dein allein. | |
| 15 | Mein Herz ist klar und rein, | |
| 16 | Gott wolle uns vereinen. | |
| 5 | 17 | Seit du von mir gefahren, |
| 18 | Singt stets die Nachtigall, | |
| 19 | Ich denk' bei ihrem Schall, | |
| 20 | Wie wir zusammen waren. | |
| 6 | 21 | Gott wolle uns vereinen |
| 22 | Hier spinn'ich so allein, | |
| 23 | Der Mond scheint klar und rein, | |
| 24 | Ich sing' und möchte weinen. |
Die Heidelberger Romantik wird einer speziellen Gruppierung innerhalb der deutschen Romantik vertreten. Während unter dem Begriff Romantik die Jenaer Frühromantik gemeint ist deren Vertreter ca. um 1770 geboren wurden, so sind die Vertreter der Heidelberger Romantik etwa 10 Jahre jünger. Daher kommt auch die Alternativbezeichnung Jüngere Romantik. Hauptvertreter waren Ludwig Achim von Arnim und Clemens Brentano.
Diese eigenständige Gruppe von Romantikern hat sich gebildet, als sich Autoren der Romantik in der Universitätsstadt Heidelberg aufhielten. Hauptsächlich durch Überschneidungen in der Studienlaufbahn kam es zu verschiedenen Begegnungen, gegenseitigten Beeinflussungen und teilweise auch Zusammenarbeiten. Insbesondere Arnim und Brentano verband eine tiefe Freundschaft, sie veröffentlichten zusammen einen Liederband und gaben dort regelmäßig die Zeitung Zeitung für Einsiedler heraus.
Als Anhänger der Heidelberger Romantiker werden auch einige Personen zugeordnet, die sich nicht in Heidelberg aufhielten, jedoch engen Kontakt zu den dortigen Autoren hielten. Darunter zählen die Gebrüder Grimm, Karoline von Günderrode und Bettina von Arnim.
In den Veröffentlichungen der Heidelberger Romantik zeigen sich die Bemühungen, die ältere deutsche Literatur wieder zu beleben. Dabei wird versucht an Volkstümlichkeit und Tradition anzuknüpfen. Dies führte dazu, dass den Heidelbergern bis 1950 ein übersteigertes nationales Bewusstsein und antisemitsche Tendenzen unterstellt werden. Da dies nicht für alle Vertreter der Heidelberger Romantik gilt, wird dies in heutigen Ansichten über die Jungromantiker kritischer betrachtet.
Brentano verbrachte als Kind mit 7 Geschwistern seine Schulzeit in Jena und Mannheim. Er versuchte dann eine kaufmännische Lehre zu absolvieren, scheiterte jedoch. Danach fing er mehrere Studiengänge an, studierte Bergwissenschaft, Medizin und Philosophie in Bonn, Halle, Jena und Göttingen, schloss jedoch keiner seiner Studienfächer ab. Während des Medizin-Studiums 1798 in Jena entdecke Brentano seiner Neigung zur Literatur, er begegnete Vertretern der Weimarer Klassik (Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried von Herder, Johann Wolfgang von Goethe) und der Frühromantik (Friedrich Schlegel, Johann Gottlieb Fichte und Ludwig Tieck). Von den Jenaer Frühromantikern ließ sich Brentano entscheidend beeinflussen, sein erster Roman Godwi wurde deutlich durch die Frühromantiker geprägt, welcher ein paar seiner wichtigsten Gedichte enthält.
1801 beim Philosophie-Studium in Göttingen traf er Ludwig Achim von Arnim. Sie wurden schnell enge Freunde, unternahmen einige Reisen, wohnten zwischenzeitlich immer wieder zusammen. Nachdem Brentano 1804 die Schriftstellerin Sophie Mereau heiratet, zieht er nach Heidelberg. Hier veröffentlicht er mit Arnim den Liedband Des Knaben Wunderhorn und die Zeitung für Einsiedler.
Wenige Jahre nach der Heirat starb Sophie Mereau nach der Geburt des dritten Kindes, die ersten Kinder starben ebenfalls nach der Geburt. Brentano zog darauf nach Berlin, wo er für kurze Zeit für Heinrich von Kleist am Berliner Abendblatt mitarbeitete. In Berlin veröffentlichte Brentano auch einige Schriften mit antisemitischen Tendenzen wie z.B. Der Philister vor, in und nach der Geschichte.
Clemens Brentano behielt noch längere Zeit einen wechselhaften Lebensstil bei und war selten sesshaft. Gegen Ende seines Lebens war Bretano mehrere Jahre von Schwermut geprägt, bis er 1842 in Aschaffenburg im Haus seines Bruders Christian starb.
Clemens Brentano hat sich während seiner Zeit zusammen mit Ludwig Achim von Arnim in Heidelberg als heute einer berühmtesten Vertreter der Heidelberger Romantik herauskristalisiert.
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In dem Gedicht „Der Spinnerin Nachtlied“ von Clemens Brentano geht es um eine Frau, die vor längerer Zeit von ihrem Geliebten getrennt worden ist. Sie klagt über die Einsamkeit und die Eintönigkeit ihres Lebens als Spinnerin. Das Gedicht wurde 1818 veröffentlicht und stammt somit aus der Romantik. Es besteht aus sechs Strophen die jeweils 4 Verse beinhalten. Das Reimschema ist ein Umarmender Reim, also abba. Es ist geschrieben in dreihebigen Jamben.
Das lyrische Ich erzählt von seinen jetzigen und seinem damaligen Leben. Dies wird durch den wechselnden Gebrauch von Präteritum (Strophe 1,3,5) und Präsens (2,4,6) verdeutlicht.
Strophe eins beschäftigt sich mit der Erinnerung an frühere Zeiten. Der Zusammenhang zwischen dem Gesang der Nachtigall und der schönen Zeit zusammen wird hergestellt. Die Alliteration1 in Vers 3 'süßer Schall' verdeutlicht das glückliche Leben welches ultimativ an den Gesang bzw den Schall der Nachtigall gebunden zu sein scheint.
Die nächste Strophe verdeutlicht, dass das lyrische Ich nicht im Stande ist seinen Schmerz zu Verarbeiten, da es sagt 'kann nicht weinen' (V 5). Es wird auch von dem Faden, den sie spinnt gesprochen, welcher ein Symbol für den Lebensfaden sein könnte, dessen Ursprung in der griechischen Mythologie bei den Moiren zu finden ist. In Vers 8 stellt der Mond ein Symbol für die Sehnsucht dar.
Die dritte Strophe ist wieder eine Erzählung aus früheren Zeiten. Der Zusammenhang zwischen Gesang der Nachtigall und der schönen Zeit wird abermals gemacht. Denn in Vers 11 steht der Gesang der Nachtigall für die Erinnerung an damals und somit auch für die jetzige Einsamkeit an die das lyrische Ich bei jedem "Schall" der Nachtigall erinnert wird. Der 12. Vers kann auf verschiedene Weisen interpretiert werden; entweder der Geliebte ist verstorben, welches hier also ein Euphemismus2 wäre da "gefahren" statt verstorben benutzt wird, oder aber der Geliebte hat das lyrische Ich verlassen, ist also quasi mit einer Kutsche davon gefahren. Diese Tatsache wird im ganzen Gedicht nicht näher erläutert von daher muss man diese Ungewissheit als Stilmittel Brentanos auffassen.
Die drauf folgende Strophe ist wieder im Präsens geschrieben, da es wieder die aktuelle Situation des lyrischen Ichs beschreibt. Wieder kommt der Mond als Symbol für die Sehnsucht zum Einsatz. Dies macht auch die enge Verstricktheit zwischen der 2. und 4. Strophe deutlich. Es wird auch die moralische Korrektheit oder Reinheit des lyrischen Ichs verwiesen (V 15) welches den Effekt der 'unschuldig beraubten' Frau verstärkt. Somit muss sich auch der Leser Gedanken machen warum eine Frau mit solch reinem Herzen denn von ihrem Geliebten getrennt wurde. Was dies noch weiter verstärkt ist Vers 16 welcher aussagt, dass selbst Gott die beiden zusammen wolle.
In der vorletzten, fünften Strophe ist der erste Vers eine Repetition des 12. Verses. Es wird also erneut Bezug auf die Trennung des lyrischen Ichs und seines Geliebten genommen. Ebenso sind auch die restlichen 3 Verse der Strophe inhaltlich er 3. Strophe sehr ähnlich. Das lyrische Ich klagt, dass der Gesang der Nachtigall wohl immer Erinnerungen an früher weckt.
Die letzte Strophe beginnt mit einer Repetition des 16. Verses. ("Gott wolle uns vereinen") Das lyrische Ich scheint nochmal eine zusammenfassende Erzählung seines jetzigen Lebens zu machen. Es verweist dabei stark darauf, dass es eigentlich Gottes Plan gewesen sei, die beiden zu vereinen, sie aber nun alleine spinnt, Tag ein Tag aus. Der Mond scheint, also ist die Sehnsucht in ihr groß, aber sie singt und kann einfach nicht weinen. Das lyrische Ich ist nicht fähig über den Schmerz hinwegzukommen.
Da sich sehr viele Strophen inhaltlich ähnlich sind, sind auch viele Parallelstrukturen zu finden (V23-15-V7). Wenn man sich die Reime genauer anschaut, bemerkt man, dass es nur vier Reimklänge gibt (-a(h)ren, -all, -einen, -ein) welches also auf die deutliche Einschränkung an Wörtern hindeutet. In jeder Strophe des Präsens (2,4,6) betont das lyrische Ich, dass es alleine ist. Dazu wird das Wort allein in jeder dieser Strophen repetitiert. Entweder es spinnt allein oder es denkt an den Verlorenen allein. Es wird also davon ausgegangen, dass das spinnen an sich zwar monoton ist, was aber das lyrische Ich so stört, ist, dass es all dies alleine tun muss. Auch das Motiv des Gesangs setzt sich durch das ganze Gedicht hindurch. Die einzige Strophe die das Verb singen nicht enthält ist die vierte Strophe. Durch diese Repetition und drastische Verwendung des Verbes singen wird zum Einen zum Ausdruck gebracht, dass das Singen der Nachtigall an früher erinnert und somit positiv, als auch im negativ aufgefasst werden kann, da es ja die Schmerzen des Verlustes. Zum Anderen aber singt die Spinnerin ja selber, was darauf hindeutet, dass sie quasi durchs Singen ihre Gefühle verarbeiten möchte. Singen steht hier also zum einen für den Auslöser von Schmerz sowie den Mechanismus für die Verarbeitung des Schmerzes. Es wird in dem Gedicht ein direkter Bezug zwischen Mensch und Natur hergestellt (Spinnerin - Mond, Nachtigall) deswegen ist dies eindeutig als Gedicht der Romantik zu klassifizieren. Die Trauer und Einsamkeit der Spinnerin wird durch mehrfache Repetitio sowie dem Symbol des Mondes und der Nachtigall hervorgerufen. Die wechselnden Zeitformen zeigen den Wechsel und die Auswirkungen zwischen damals und heute.
| 1 | Bei der Alliteration beginnen mehrere Worte mit dem gleichen Buchstaben. Beispiel: „Milch macht müde Männer munter.“ |
| 2 | Beschönigung |
